Samstag, 24. Juni 2017
 


Er bewährt sich international als Veredler par excellence, gilt als Garant für Rittigkeit und Bewegungspotenzial und nimmt nicht nur im Traditionsgestüt Webelsgrund, sondern auch in den Herzen seiner langjährigen Besitzer, dem Ehepaar Erdsiek, einen ganz besonderen Platz ein. Michelangelo ist einer der grossen Halbbluthengste nach dem 2. Weltkrieg, Seite an Seite mit Vererbern wie Mahagoni, Arogno, Consul oder Van Deyk.

Kein Pferd kenne ich so gut wie Michelangelo, für mich ist er der Vererber überhaupt“, Burgi Erdsiek hat zu ihrem Star einen ganz besonderen Draht, seit er 1995 ins Gestüt Webelsgrund kam. Nach einem Hengst mit Bedeutung hatte Ehepaar Erdsiek für ihr ein Jahr zuvor erworbenes Gestüt gesucht. Gar zu jung sollte er nicht mehr sein, sein Potenzial als Vererber bereits bewiesen haben – und dann gab Liebe auf den ersten Blick den Ausschlag.

Der schwarzbraune Halbblüter v. Pasteur xx a.d. Miami v. Matador mit der herausragenden Galoppade gehört zum Ausnahmejahrgang 1985 und stellte sich 1987 im Lot mit u.a. Caprimond, Kostolany, Maizauber, Charly Chaplin und Tivano der Körkommission. Zunächst auf dem Gestüt Heinen-Bönninghardt aufgestellt, wurden seine Söhne KENNEDY und GUY LAROCHE geboren und führte sein Weg nach 2 Jahren in die Niederlande zu M. van Uytert und R. Franssen, wo Michelangelo über die Jahre zahlreiche Warmblutstuten deckte. Stolz war man im Nachbarland wie auch in der Trakehner Szene auf seine überragende Hengstleistungsprüfung 1988 in Warendorf, die er mit der schnellsten jemals in einer HLP registrierten Zeit für den Galopp und besonders hoher Rittigkeit als Dritter in der Gesamtwertung absolvierte. Im niederländischen Ermelo bestand er 1990 zudem einen Verhaltenstest mit Bravour, sein freundliches, aufmerksames und „stets gut gelauntes“ Wesen wurde ihm dort attestiert. Bereits als junger Hengst war er ein Aushängeschild seiner Zuchtstätte, des Gestüts Heinen-Bönninghardt. Sein Vater Pasteur xx v. Bürgermeister xx ist als großer Dressurvererber und u. a. Vater des Stempelhengstes MAHAGONI in Erinnerung. Fast noch mehr Bedeutung aber erlangte Michelangelos Mutter, die legendäre St.Pr., Pr.u.E.St. MIAMI v. Matador, mehrfache Titelträgerin großer Schauen und u.a. Mutter des Siegerhengstes und Grand Prix-Siegers MONTEVERDI TSF. Miami war Reservesiegerin der Trakehner Bundesstutenschau 1982 und auf der Bundesschau des Deutschen Reitpferdes 1983 in Verden sowie 1988 Landessiegerstute im Rheinland. Aus ihrem mütterlichen Stamm kommt der als Ausnahmevererber in die niederländische Zucht eingegangene Marco Polo sowie Siegerhengst Morgenglanz, der in Springprüfungen Kl. S siegreich war. Der Kontakt der Familien Erdsiek und Heinen hat sich über Michelangelo bis zur Freundschaft und engen züchterischen Kooperation vertieft. Heute sind drei Hengste des Gestüts Heinen-Bönninghardt, IN PETTO und OLIVER TWIST und aktuell der vom Gestüt Heinen-Bönninghardt gezogene Hengst POLARION v. Van Deyk a.d. Polarlied v. Insterruf, im Besitz der Familie Dr. W. Bechtolsheimer/GB in Webelsgrund aufgestellt.

Michelangelo hat in seiner Beschälerlaufbahn bisher mehr als 450 Stuten gedeckt und ist anerkannt für Hannover, Oldenburg, Sachsen-Anhalt, Westfalen und KWPN. 14 gekörte Söhne hat Michelangelo bis heute. Bereits sein erster Fohlenjahrgang sorgte für eine Sensation: Michelangelo stellte mit KENNEDY den Siegerhengst, der zum astronomischen Preis von 400.000 DM den Besitzer wechselte. Im Prämienlot war im gleichen Jahr sein Sohn GUY LAROCHE, der heute in Nordamerika ein geschätzter Vererber ist. In den Niederlanden kam sein Sohn Michelino zur Welt, der in Dänemark nachhaltig positiv im Deckeinsatz ist. Michelangelo war bei den westlichen Nachbarn ein hoch erfolgreicher Veredler, brachte u.a. die Hengste Jaguar und Janiro. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurden 1998 gleich zwei Michelangelo-Söhne gekört: Reservesieger HIRTENRUF und KENSINGTON, ein Vollbruder zu Kennedy. 1999 erhielt sein Sohn HÖLDERLIN, der heute für Ungarn auf Drei-Sterne-Niveau in der Vielseitigkeit erfolgreich ist, das Körprädikat, im Jahr 2000 erhielt SUMMERTIME – Vater des Siegerhengstes 2006 SONGLINE – die begehrte Prämie. In Oldenburg wurde 2001 der Michelangelo-Sohn Mon Dieux gekört. In Belgien ist der ebenfalls gekörte Michelangelo-Sohn Janiro im Parcours bis Kl. S erfolgreich unterwegs.

Auch die Michelangelo-Töchter, 53 von ihnen sind beim Trakehner Verband eingetragen,  haben das Besondere. Er ist Vater der Siegerstute der zentralen Stuteneintragung im Rheinland und der rheinischen Landesiegerstuten St.Pr.u.Pr.St. ARANJA a.d Anastasia v. v. Ginster (Z.u.B. Gestüt Heinen-Bönninghardt), die 2004 die Siegerfamilie im Rheinland stellte und Vater von KENDY II a.d. Kordelia IV v. Mackensen (Z.u.B.: L. Heinen, Issum). Auch sie war Siegerstute der zentralen Eintragung im Rheinland und Vollschwester des Körungssiegers Kennedy. Unvergessen ist seine Tochter SCHNEEFLOCKE (Z.: J. Paessens), die zum Spitzenpreis über die Aktion in Neumünster ging und heute eine der Stammstuten des Gestüts Tasdorf ist. 1998 stellte Michelangelo die Siegerstute der zentralen Eintragung in den Niederlanden. Sechs seiner Trakehner Töchter sind Staatsprämien- und Prämienstuten, vier sind Prämienstuten, zwei weitere Staatsprämienstuten und seine Tochter LOUISANA V v. Mackensen ist Elitestute. Das Milleniumsjahr brachte  Michelangelo auf allen züchterischen Ebenen ins Bewusststein: Michelangelo firmierte als Muttervater der Trakehner Bundessiegerstute LANTANA V v. Tycoon a.d Louisiana V, die ihrerseits 2004 den Siegerhengst LE ROUGE stellte. Michelangelo war 2000 zudem Vater der Reservesiegerstute Schleswig-Holstein, HERZCHEN'S LETZTE und des Prämienhengstes SUMMERTIME. Im Jahre 2001 war Michelangelo Vater der Siegerstute TENEILIA in Dänemark 2001.

Seit Jahren führt Michelangelo die Rangfolge der Exterieur-Vererber mit den höchsten Zuchtwerten – Gesamtzuchtwert 2005: 146 – als bester Stutenvererber an und stellt auf den zentralen Stuteneintragungen mit großer Regelmäßigkeit immer wieder herausragende Prämienstuten. „Eine sichere Bank im Pedigree“, beschreibt Burgi Erdsiek ihren Favoriten stolz, „Michelangelo garantiert neben Rittigkeit gute Grundgangarten, ein aktives Hinterbein und ideale Kruppenformation. Außerdem vererbt er sehr gute Hufe und robuste Gesundheit.“ Gleichzeitig fordert er für seine Kinder jedoch Tugenden bei deren Besitzer, die zurzeit ein wenig aus der Mode gekommen sein mögen: Sensibilität, um die Pferde für sich zu gewinnen und Zeit, den Nachwuchs in Ruhe reifen zu lassen. Die Halbblut-Nachkommen erweisen sich in der Regel als spätreif und honorieren umso mehr, wenn man ihnen in jungen Jahren ein wenig Zeit lässt. Michelangelo-Nachkommen hielten über Jahre bei den Hengsten und bei den Stuten jeweils den Preisrekord der Trakehner Auktionen in Neumünster! Das ist  bisher keinem anderen Hengst gelungen.

Michelango selbst war in Dressurprüfungen bis Kl. S/St.Georg erfolgreich. Dies ist umso bemerkenswerter, als seine sportliche Förderung keineswegs geradlinig verlief. Nach seiner Aufsehen erregenden Hengstleistungsprüfung war er in erster Linie im Deckeinsatz, bis er zum Ehepaar Erdsiek nach Webelsgrund kam, wo er bis zur schweren Klasse gefördert wurde.

Sein berühmtester Sohn im Sport ging für Schweden aufs Große Viereck: Just Mickey war unter Tinne Vilhelmson Mitglied der schwedischen Dressurmannschaft bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen, wo das Paar  den 6. Platz mit der schwedischen Mannschaft erreichte, außerdem gewann er die Mannschafts-Bronze-Medaille bei der Dressur-Europameisterschaft 2005 in Hagen. National erfolgreich in Dressurprüfungen Kl. S sind PASSERO a.d. Padua v. Hyllos (Z.: F. v. Kintzel) unter seiner Besitzerin Sabine Winkens-Bähr, und XION a.d. Xabea v. Marduc (Z.: K. Gehrmann-Arp) unter Julia C. Proppe, sowie HIGHLIGHT (Z.: Pius Harlacher, Oberhausen - Rheinh.), MENUHIN (Z.: Heinrich Sustrath, Springe) und MENDELSSOHN (Z.: Detlef Jürges, Saalfeld). Die Söhne TEMPICO (Z./B.: K.-H. Schulenburg, Kasseedorf) bzw. DIABLO (Z.: G. Mies, Blankenheim) sind im Springsport Kl. S bzw. in Zwei-Sterne-Prüfungen hoch platziert.

Der Grandseigneur ist unbestrittener Hausherr auf Webelsgrund und beansprucht diese Position voller Selbstbewusstsein. Er genießt eine Box mit Überblick und einen Paddock mit Blick auf seine Stuten. Und obwohl er am liebsten zu Hause Hof hält, zeigte er sich bei seiner Ehrung während der Hengstmarkt-Gala so vital und bewegungsfreudig, dass er seinem Vorführer, dem Webelgrunder Gestütsleiter Ekkehard Rönnefarth bei der großen Ehrenrunde maximalen Raumgriff abverlangte. Auf Webelsgrund hat Michelangelo eine Lebensstellung, geachtet und verehrt und sich seiner Bedeutung offensichtlich bewusst, die Burgi Erdisek in Worte fasst: „Er ist einmalig. So einen Hengst hat man nur ein Mal im Leben.“ IE

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