Samstag, 04. Februar 2012
 


Es hat wieder geklappt! Nach 2008 konnten die Trakehner in diesem Jahr mit dem sechsjährigen Herzog erneut einen überragenden Bundeschampion stellen.


Der HLP-Sieger HERZOG von Tambour – Inkognito aus der Zucht und dem Besitz von Dr. Elke Söchtig hatte ab der ersten Sekunde des Turniers den Titel des Bundeschampions im Visier: Mit einer überragenden und annähernd perfekten Runde ohne ein einziges Zögern galoppierte sich der dunkelbraune Hengst unter Körkommissar Elmar Lesch in der Finalqualifikation der sechsjährigen Vielseitigkeitspferde direkt in die Herzen von Richtern und Publikum. Belohnt wurde die begeisternde Runde mit der Traumnote 9,5 und dem klaren Sieg in dieser Prüfung, was den direkten Einzug ins Finale bedeutete.

In feiner Anlehnung und ohne Fehler absolvierte der Tambour-Sohn dann die anspruchsvolle – und von vielen Vielseitigkeitsreitern und -pferden so ungeliebte – Dressurprüfung auf dem Niveau der Klasse L. 8,4 lautete die Wertnote und damit Rang 1 in dieser Teilprüfung. Genauso souverän zeigte sich der Dunkelbraune im abendlichen Springen. Gleichmäßig, stets rhythmisch galoppierend und mit sehr ansprechender Manier absolvierte er unter Elmar Lesch den Parcours im Springstadion. Für diese tadellose Runde zogen die Richter eine glatte 9,0. Mit dieser hervorragenden Bewertung und dem Abstand von einer ganzen Note ließ Herzog auch in der Teilprüfung Springen alle Konkurrenten hinter sich und ging mit einem komfortablen Punktevorsprung in die abschließende Geländeprüfung am Sonntag.
Es schien fast, als wollten Lesch und sein galoppierfreudiger Hengst die Teilprüfung Gelände noch einmal so richtig genießen. Sie ließen sich im Kurs reichlich Zeit, was am Ende einen kleinen Punktabzug brachte. Von der in dieser Prüfung als Höchstnote vergebenen 9,4 für Herzog musste eine halbe Note abgezogen werden, was in einer 8,9 und dem zweiten Platz in dieser Teilprüfung resultierte. Das änderte jedoch nichts am klaren Gesamtsieg des Hengstes, der sich im Training bei Elmar Lesch zu einem trocken textierten Modellathleten entwickelt hat. Von seiner Vorstellung im Busch waren die Richter begeistert. Sie schwärmten im abschließenden Kommentar von Herzogs überragender Galoppade, die sich durch Rationalität und eine tolle Mechanik auszeichnete. Weiterhin hieß es „Herzog ist mental auf dem richtigen Weg in den Sport“. Schöner und vielversprechender kann der Richterkommentar für ein Nachwuchspferd bei diesem wichtigen Championat kaum sein.

Für das Finale der Sechsjährigen konnte sich mit BELLE ESTELLE Go von Maizauber – Hamlet Go aus der Zucht und dem Besitz von Britta Jennes auch der zweite angetretene Trakehner in dieser Prüfung für das Finale qualifizieren. Leider schied die elegante Fuchsstute nach einem glücklicherweise glimpflich abgegangenen Sturz ihrer Reiterin Fleur Schnee in dieser Prüfung aus.

Parmenides voller Power
Nach nur zwei Tagen Bundeschampionat hatten einige weitere Trakehner Nachwuchsstars ihr Ticket für die jeweilige Finalprüfung in der Tasche. Interessanterweise war es zunächst nicht die Dressur, in der die Trakehner Youngster punkten konnten. Traumergebnisse gab es besonders bei den fünfjährigen Vielseitigkeits- und Springpferden.

Eine Meisterleistung legte während der gesamten Championatstage der dunkelbraune PARMENIDES von Sir Chamberlain – Habicht, aus der Zucht und dem Besitz von Marion Gottschalk, mit Ingrid Klimke ab. Schaffte es mit Grafenstolz TSF seinerzeit bereits ein Trakehner, sich als erstes Pferd in der Geschichte des Bundeschampionates für alle drei Disziplinen zu qualifizieren, so legte Ingrid Klimke mit ihrem fünfjährigen Nachwuchspferd Parmenides in diesem Jahr eine neue Messlatte auf. Die beiden qualifizierten sich nicht nur mit Weile für das Bundeschampionat des fünfjährigen Vielseitigkeitspferdes, sondern ebenso souverän gleich mehrfach für das Bundeschampionat des fünfjährigen Springpferdes. Warum nicht beide Disziplinen in Angriff nehmen? Am ersten Championatstag sicherte sich das harmonische Duo mit einer lockeren und fast gemütlichen „Aufwärmrunde“ bereits die Zulassung für die Finalqualifikation: in der Springpferdeprüfung der Klasse M, für die sich bundesweit rund 240 Pferde qualifiziert hatten, gab es nach Abzug für Zeitüberschreitung mit einer 8,1 Rang sieben.

Äußerst frisch zeigte sich der Sohn des Sir Chamberlain dann am nächsten Tag in der Geländepferde A, der Finalqualifikation für die fünfjährigen Vielseitigkeitspferde. Mit munteren Freudensprüngen bewies er seine hervorragende Kondition und galoppierte mit der Wertnote 8,8 auf den dritten Rang in dieser Prüfung und direkt ins Finale. Nach dem Mittag ging es am Donnerstag für den dunklen Wallach auf dem Springplatz erneut zur Sache. Als hätte er noch nichts getan, absolvierte Parmenides unter seiner wie immer toll sitzenden Reiterin den Parcours mit einer Runde wie aus dem Lehrbuch und sicherte sich damit leichtfüßig und in schönster Manier eine 8,4, den vierten Platz in dieser Prüfung. Damit schaffte der elegante und vielseitige Trakehner Wallach einen glatten und fast spielerischen Durchmarsch in das Finale dieser Disziplin, der dem Großteil dieses mit knapp 150 Teilnehmern äußerst stark besetzten Bundeschampionats der fünfjährigen Springpferde nicht gelang. Umso bemerkenswerter ist der insgesamt 19. Platz, den das Duo nach einem leichten Hindernisfehler im Finale der besten 34 fünfjährigen deutschen Springpferde 2009 erreichte.

Nach einem Tag Pause stand der Samstag ganz im Zeichen der ersten beiden Teilprüfungen des Finales für die fünfjährigen Vielseitigkeitspferde. In der Dressurpferde A lief der im Viereck sonst eher ungeduldige und teilweise übereifrige Parmenides „die Dressur seines Lebens“ und wurde mit einer 7,0 belohnt. Damit war das schwerste Stück Arbeit in diesem Finale getan. Die Teilprüfung Springen lag dann auch wieder voll im Interesse des bewegungsfreudigen Dunkelbraunen, was er mit gewaltigen Freudensprüngen nach seiner eindrucksvollen Runde bewies. Für seine Manier am Sprung erhielt er hier die 8,8 und damit die beste Bewertung aller Finalisten in dieser Prüfung. Ingrid Klimke, die ihren vierbeinigen Partner erst außerhalb des Platzes wieder vollständig durchparieren konnte, lachte beim Ausreiten und schmunzelte auf ihre sympathische Art „Morgen reite ich ihn aber wieder richtig ab, sonst falle ich am Ende noch runter!“

Nach dem Springfinale am Sonntagvormittag glänzte der Sohn des Sir Chamberlain in der abschließenden Geländeprüfung erneut durch seine Frische und den Spaß am Galoppieren. Seine Vorstellung wurde im Internetnewsbereich der Fachzeitschrift St. Georg folgendermaßen beschrieben: „Der schwarzbraune Wallach wurde vorgestellt von Ingrid Klimke und präsentierte sich frisch und dynamisch. Er galoppierte rhythmisch und zeigte tolle Sprünge mit schnellem Vorderbein. Und nicht nur Parmenides überzeugte – Ingrid Klimke wurde durch den Kommentator Plewa von den Richtern für ihren vorbildlichen Stil und die optimale Unterstützung ihres Pferdes auf der Strecke gelobt.“ Für ihre Vorstellung erhielten die beiden Stilisten die 9,0 und insgesamt den hervorragenden Bronzerang im Bundeschampionat der fünfjährigen Vielseitigkeitspferde.

Buschnachwuchs zeigte Top-Leistungen
Doch nicht nur Parmenides glänzte bei den fünfjährigen Vielseitigkeitspferden mit tollen Leistungen und der Finalqualifikation. In der mit 55 Teilnehmern sehr stark besetzten Finalqualifikation konnten sich außer Parmenides drei weitere Trakehner in die Platzierungslisten eintragen und zwei den direkten Einzug in die entscheidende Finalprüfung sichern. Mit der Wertnote 8,7 rangierten HAKUNA MATATA von Cavallieri xx – Tarino aus der Zucht und dem Besitz von Andrea Müller und Kaddur Khelka auf dem vierten Platz direkt vor ONLY YOU MG und Eva Christin Putz mit einer 8,5. In der zweiten Abteilung dieser Prüfung erreichte LADY YOU MG unter Eva Christin Putz mit einer 8,0 den neunten Platz. Beide Stuten sind Töchter des Houston und stammen aus der Zucht des Trakehner Gestütes Grigoleit. Während Lady You den Vollblüter Solo xx zum Muttervater hat und bereits an Friederike Tophoff-Kaup verkauft wurde, stammt Only You aus einer Königstein-Stute und steht noch im Besitz des Gestütes Grigoleit.

Leider reichte es für Lady You MG noch nicht ganz für das Finale. Gemeinsam mit einigen anderen Trakehnern versuchte sie es über den Weg des kleinen Finales. Hier konnte sie erneut glänzen und sich mit einer Bewertung von 8,3 den Einzug ins Finale sichern. Auch CONAISSEUR von Key West – Donaumonarch aus der Zucht und dem Besitz von Burkard Wahler (8,1) sowie der Axis-Vollbruder AVALON von Sixtus – Angard aus der Zucht von Ewald Hartmann und dem Besitz des Gestütes Floggensee (7,9) präsentierten sich unter Michael Meier bzw. Julia Mestern in toller Manier und wurden platziert. Ganz knapp reichte es für diese beiden leider nicht mehr für das abschließende Finale.

Die beiden für das Finale qualifizierten Töchter des Houston, Lady You und Only You, absolvierten unter Eva Christin Putz schöne und mit 7,8 bzw. 8,4 sehr gut benotete Dressurprüfungen und mit Noten über acht bewertete ansprechende Runden im Gelände. Mit nur einer halben Note Differenz belegte Lady You den sechsten Rang vor ihrer väterlichen Halbschwester Only You auf dem hervorragenden achten Platz im Finale des Bundeschampionats des fünfjährigen deutschen Vielseitigkeitspferdes. Nicht ganz so erfolgreich lief es für den braunen Hakuna Matata und Kaddur Kelkha. Nachdem sie in der Qualifikationsprüfung mit der Spitzennote 8,7 so eindrucksvoll auf sich aufmerksam machen konnten, wurde ihre Dressurprüfung mit einer 6,9 belohnt. Leider gingen in der Springprüfung einige Hindernis- und Zeitfehler auf das Konto des Cavallieri xx – Sohnes, so dass auch die mit über acht bewertete abschließende Geländerunde am letzten Tag keine Platzierung mehr retten konnte.

Hohe Noten für Redecker
Trotz solider und einiger äußerst rittiger Vorstellungen schaffte es in diesem Jahr leider kein drei- oder vierjähriger Trakehner in ein Reitpferdefinale. Besonders schade war dies beim dreijährigen Trakehner Reitpferdechampion REDECKER von Kasparow – Couleur Fürst unter Mareike Peckholz vom Gestüt Hohenschmark. Mit einer harmonischen und dynamischen Vorstellung und der 9,0 für sein Gebäude erhielt er eine Gesamtwertnote von 8,0 und rangierte damit auf dem achten Platz in dieser Prüfung. Da diese Wertnote zweimal vergeben wurde und nur maximal acht Pferde im abschließenden Finale antreten dürfen, verpasste der charmante Rappe aus der Zucht von Gisela Gunia den Einzug in die Entscheidung hauchdünn mit einer Differenz von lediglich 0,08 Wertnotenpunkten zu den beiden Sechstplatzierten. Woran es bei den anderen Reitpferden im Einzelnen gelegen hat, ist schwer zu sagen. Teilweise war es sicherlich das Wetter und zahlreiche hochschnellende Regenschirme, die einigen Remonten das Leben und Bewegen im Viereck schwer machten. Bei den im Deckeinsatz stehenden Hengsten schien nicht nur im Trakehner Lager das ein oder andere Mal ein kräftiger Hormonschub das Regiment zu übernehmen.

Hoher Erwartungsdruck
Je eindrucksvoller die Leistungen sind, desto höher wird der Druck beim nächsten Auftritt. Die Öffentlichkeit erwartet – gerade von im Deckeinsatz stehenden Hengsten – perfekte Leistungen und immer wieder strahlende Darbietungen. Wie belastend diese Erwartungen sein können, erlebten in diesem Jahr Anna-Sophie Fiebelkorn und ihr eleganter IMPERIO von Connery – Balfour xx aus der Zucht von Hartmut Keunecke und dem gemeinsamen Besitz des bayerischen Haupt- und Landgestüts Schwaiganger und Hubertus Poll vom Gestüt Hörem. Als Bundeschampion und Vizeweltmeister der Fünfjährigen 2008 stellte er sich in diesem Jahr erneut den nun auf M-Niveau ausgetragenen Meisterschaften. Bei der WM wurden sie strahlende Dritte, beim Bundeschampionat sollte es doch mindestens genauso gut, wenn nicht sogar noch besser werden. Dieser Erwartungsdruck schien in der Qualifikationsprüfung ein wenig zu groß. Schwungvoll und mit viel Ausdruck begann die Trabtour, die von den Richtern mit der Höchstnote 10,0 bewertet wurde.

Doch dann kam der Galopp. Mit der schwierigen Linienführung für die fliegenden Wechsel hatten viele Pferde in der Einlaufprüfung ihre Probleme, so auch Imperio. Mit einer Gesamtwertnote von 7,6 verpasste der Hengst den direkten Einzug ins Finale knapp. Mit einer schwungvollen und ansprechenden Vorstellung entschieden die beiden dann jedoch das kleine Finale mit einer 8,5 und damit einer halben Note Abstand zum Zweitplatzierten für sich. Der sichtlich angespannten Reiterin fiel ein Stein vom Herzen. Im abschließenden Finale hielten nicht nur die Zuschauer beim Auftritt Imperios die Luft an. Ohne Fehler, dafür nach drei anstrengenden Championatstagen vielleicht ein bisschen müde, absolvierte das erfolgsverwöhnte Paar sein Programm ohne größere Fehler und mit einer beeindruckenden Galopptour, die den Richtern eine 9,0 wert war. Mit einer Gesamtnote von 8,2 erreichten die beiden schließlich den fünften Platz in diesem starken Finale.

Dabei sein ist eine Leistung
An dieser Stelle sollte jedoch einmal die große Leistung der beim Bundeschampionat in Warendorf antretenden Reiter und Pferde unterstrichen werden. Immerhin bestehen alle dort startenden Teilnehmerfelder aus handverlesenen und besonders qualifizierten Paaren, die im Laufe der gesamten Turniersaison beste Leistungen gezeigt haben und die schwierigen Qualifikationsanforderungen in ihren Disziplinen teilweise mit Leichtigkeit absolvieren konnten. Es ist sicherlich für jeden Züchter, Besitzer oder Reiter ein ganz besonderes Highlight, wenn sein Pferd in Warendorf an den Start geht und gesund im Ziel ankommt. Da dies keine Selbstverständlichkeit ist, sollen an dieser Stelle auch AVALON, GRAF GEORGEN-BURG, GANDALF VM, VERGO GO, SKYLINE und DONAUGOLD erwähnt werden, die es zwar nicht ins Finale schafften, aber ihre Rasse mit ordentlichen Leistungen in den anspruchsvollen Championatsprüfungen vertreten konnten. Die Ausnutzung des Reitpferdekontingents bedarf sicher im kommenden Jahr nochmals der Überlegung, da unsere Pferde sich in den Klassen der Jüngsten doch als deutlich spätreif zeigen.                      US

 

SUMMARY
Same as last year, 2009 also saw an outstanding Trakehner German Young Horse Champion, the 6-year-old eventer Herzog.  The licensed stallion performance test winner HERZOG by Tambour – Inkognito, bred and owned by Dr.Elke Söchtig won the final qualifier with a dream score of 9.5. In the finals, he secured an easy victory with top scores in show jumping (9.0), dressage (8.4) and cross country (9.4/8.9). The judges were enthusiastic about the stallion’s excellent canter, also saying that “Herzog has the right attitude for the sport”. An up and coming sport horse could hardly be commented any better or more promising by the judges. The second 6-year-old Trakehner in this division, BELLE ESTELLE Go by Maizauber – Hamlet Go, bred and owned by Britta Jennes, also made it to the 6-year-old eventing horse finals. Some more promising young Trakehners qualified for the various finals; with dream results particularly for the 5-year-old show jumpers and eventers. The 5-year-old gelding PARMENIDES by Sir Chamberlain – Habicht, bred and owned by Marion Gottschalk, performed brilliantly under Olympic rider Ingrid Klimke on every single day of the championships. The pair not only qualified for the German 5-yr-old Eventing Horse Championships, but also for the German 5-yr-old Show Jumper Championships, and Warendorf saw them compete in both divisions. Competing against 250 other show jumpers, the dark bay reached the finals in this division with top scores. In eventing, Parmenides also qualified for the finals straight away and finished 3rd. With this performance, Parmenides has set a benchmark, which is not likely to be reached again in many years. The Trakehner Gestüt Grigoleit, the breeders of the half sisters ONLY YOU MG and LADY YOU MG, both by Houston, a successful eventer himself, celebrated an extraordinary success: the brilliant Eva Christin Putz placed both chestnut mares in the 5-yr-old eventing horse finals! The extraordinary quality of the 2005 stallion grading reserve champion, IMPERIO by Connery – Balfour (TB), stood out again, now in the 6-year-old dressage horse division. After winning a bronze medal at the Verden Young Dressage Horse World Championships in August, the highly-talented mover won the small final and placed 5th in the Warendorf 6-year-old dressage horse final

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