Samstag, 04. Februar 2012
 


Das 5. Internationale Trakehner Bundesturnier hat eindrucksvoll bewiesen: Das so oft als Wunschvorstellung zitierte Postulat funktioniert auch in der Praxis – im grossen Rahmen, beim Trakehner Bundesturnier in Hannover. Vielfach wurden die dreieinhalb Tage im Reiterstadion als das bisher schönste Bundesturnier in Hannover gelobt.

 

Die Einbindung der 7. Trakehner Landesstutenschau des Zuchtbezirks Niedersachsen Hannover stellte zwar die Zeiteinteilung des Turniers auf die Flexibilitätsprobe, erwies sich am Samstagnachmittag dann jedoch als Bereicherung der Veranstaltung. Das Turnier begann in diesem Jahr bereits am Donnerstag mit der Geländepferdeprüfung, lockte am recht frühen Freitag und Samstag Morgen eher die Lerchen als die Nachtigallen an die Rails am Parcours und stellte manche Zuschauer vor die Entscheidung, sich den parallel zur Landesschau laufenden Dressurprüfungen zu widmen oder Bilder des Zuchtfortschritts in einem unserer größten Zuchtbezirke zu genießen. Probleme, die man gern hat, denn hier wie dort zeigten sich die Trakehner auf hohem Niveau. Entsprechend begeistert fiel das Urteil der Richter aus, die die besondere Atmosphäre der Verbindung des Sports mit der Fohlenauktion und der Landesschau lobten und sich wie in den Vorjahren bestens betreut fühlten. Die Dressur- und Reitpferde aller Altersstufen fanden ihre volle Anerkennung, und halten aus Richtersicht mit Vertretern der Landeszuchten auf anderen Turnieren ohne weiteres mit. Jürgen Hanke und seinem Organisationsteam gebührt ein besonderes Dankeschön, diese herrliche Veranstaltung nun bereits im fünften Jahr mit unendlichem Einsatz auf die Beine gestellt zu haben!

Gute Stimmung auf dem großzügigen Gelände ließ Raum für Gespräche, der Gesamteindruck der gut herausgebrachten, schönen Pferde und ihrer Reiter und Begleiter bot drei Tage eine Augenweide. „Eine herrliche, entspannte Veranstaltung“, schwärmte Hippologe und Vermarktungsprofi Hubertus Schulze-Rückkamp. „Das ist kein normales Turnier, das hier ist vergleichbar mit der großen Dublin Horse-Show in Irland“, traf er mit seinem begeisterten Lob wohl den Nerv vieler, die dabei waren. Auf ein Neues 2010.


Reitpferdechampionate – breite Leistungsspitze
Im Rahmen der Reitpferdechampionate der Drei- und Vierjährigen gab es einige Auffälligkeiten. Da war zum Einen die Abwesenheit der gekörten Hengste. Etliche der Hoffnungsträger der jüngeren Generation zukünftiger Väter hatten nicht die Reise nach Hannover angetreten. Die Hengste, die sich dem Leistungsvergleich stellten, entschädigten die Zuschauer allerdings vollends. Eine weitere Auffälligkeit war das Fehlen absoluter Favoriten. Vielmehr war in fast jeder der einzelnen Klassen eine relativ breite Leistungsspitze zu sehen.

Eine herausragende Erscheinung der Qualifikationsprüfung der vierjährigen Stuten und Wallache war der Schimmel MACCHIATO v. Münchhausen TSF aus der Zucht und dem Besitz von Andrea Fischer Brügge. Pilotiert von Solveig Wörzberger, die im Reitsport für Reiter mit Handicap ebenso erfolgreich startet wie im Regelturniersport, erbrachte dieses Paar eine Lehrstunde für feines Reiten. Da Frau Wörzberger nur einhändige Zügelhilfen anwenden kann, imponierte die äußerst sensible und erfolgreiche Reitweise nur durch Gewichts- und Schenkelhilfen. Dieses junge, unerfahrene Pferd folgte den Hilfen seiner excellent sitzenden Reiterin auch in Lektionen ohne jegliche äußere Anlehnung wie den Schlangenlinien oder dem Mittelzirkel. Eine Leistung, für die das Paar bei der Exterieurbeurteilung mit Szenenapplaus belohnt wurde.

Nach den Qualifikationen am Freitag und Samstag standen interessante Starterfelder für die Championate am Sonntag fest. Den Anfang machten die vierjährigen Stuten und Wallache mit einer starken Vierergruppe. Es siegte hier der weit gereifte Fuchswallach LUDWIG v. Elitär, pilotiert von Sandra Frieling, dicht gefolgt von VALENCIA, einer charmanten Tochter des Hofrat, die von Michaela Pieper vorgestellt wurde. Diese beiden Pferde wurden von Zuchtleiter Lars Gehrmann für das Bundeschampionat nominiert.

Den Bronzerang teilten sich PRIEGNITZ v. Hofrat, Dreijährigenchampion aus dem Vorjahr, sowie der aus den Niederlanden angereiste HONORÉ v. Goldschmidt, der die höchste Fremdreiterbenotung seiner Klasse erhielt. Beide wurden als Reservisten ebenfalls für das Bundeschampionat nominiert.

Es folgten die vierjährigen Hengste in einer beeindruckenden Fünfergruppe. Hier dominierte der erste Jahrgang des Oliver Twist mit seinen Söhnen GRAND PASSION auf Rang eins und SINGOLO auf dem zweiten Rang. Zwei Halbbrüder von hohem Qualitätsstandard bei recht unterschiedlicher Vorstellung. Imposant, statiös und mächtig Grand Passion, geschmeidig, leichtfüßig und harmonisch Singolo. Beide wurden für ihre Leistung mit der begehrten Bundeschampionatsnominierung belohnt. Auf den Rängen folgte mit KARL LAGERFELD ein weiterer Nachkomme des Hofrat vor CHORAL v. Hohenstein. Fünftplatziert in dieser Gruppe der blutgeprägte PERLENTAUCHER v. Donaufischer, der gemeinsam mit Karl Lagerfeld als Reservist die Nominierungsliste für Warendorf bereichern wird.

Schlag auf Schlag ging es weiter mit der Gruppe der dreijährigen Stuten und Wallache. Die goldene Schleife sicherte sich hier die schwarze Schönheit KARVINA, die ihren Vater Hibiskus nicht verleugnen konnte. Mit großer Galoppade setzte sie sich unter Andrea Müller-Kersten an die Spitze und wurde als einzige für die dreijährigen Stuten und Wallache in Warendorf vorgesehen. Auf dem zweiten Rang folgte SCANSANO v. Kasimir unter Katja Camp. Ebenfalls Rang 2 die noch jugendliche Stute HOKUS POKUS aus den Niederlanden, die einmal mehr ein eindrucksvolles Vererbungszeugnis ihres Vaters Goldschmidt ablegte. Auf Rang vier komplettierten KOSINUS und Kristine Möller das Ergebnis dieser Championatsfeldes. Kosinus ist ebenso wie die Championesse Karvina ein Hibiskus-Nachkomme und stammt aus gleichem Züchterhause, dem der Familie Sylla.

Zum letzten Showdown kam es bei den dreijährigen Hengsten. Mareicke Peckholz vom Gestüt Hohenschmark gestaltete diese Gruppe zum Festival für das neubelebte Traditionsgestüt. Ihr erfolgsverwöhnter Schützling REDECKER v. Kasparow sicherte sich den Sieg vor seinem Stallgenossen AMADELIO v. Lehndorff‘s, was beiden die Starterlaubnis für das Bundeschampionat einbrachte. Hannes Lütt ritt KASPIAN v. King Arthur couragiert auf Rang drei und sicherte sich ebenfalls einen der begehrten Startplätze für das Warendorfer Event. Viertplatziert der Auftritt von Rena Fraikin mit LICHTENFELS v. Le Rouge vor KARAYAN, dem dritten Hibiskus-Nachkommen in den Ergebnislisten der Championate. Auch er aus der Zucht von Familie Sylla – ein wohl einmaliger Erfolg!

Dressurpferde – Optimismus angezeigt
Es ist besonders schön, wenn der Ausbildungsweg eines Pferdes geradlinig verläuft und altersentsprechend Jahr für Jahr die jeweils nächsthöheren Prüfungen in Angriff genommen werden können. Einen solchen Verlauf konnte man bei den diesjährigen Dressurpferdeprüfungen gut beobachten. Zahlreiche Pferde, die im vergangenen Jahr noch in Reitpferde- oder Dressurpferdeprüfungen der Klasse A an den Start gebracht wurden, sah man gereift und weit gefördert in den Dressurpferdeprüfungen der Klasse L wieder. In allen Basis- und Aufbauprüfungen zeichneten sich die Trakehner Nachwuchspferde 2009 mit bestechender Qualität und hohen Rittigkeitswerten aus.

Erster in der für vier- und fünfjährige Trakehner ausgeschriebene Dressurpferdeprüfung der Klasse L am Samstag wurde mit deutlichem Abstand der gekörte TITIANO v. Münchhausen TSF unter Johann Svensson. Mit Charme und Ausdruck absolvierte der imposante Fuchs – der sich im vergangenen Jahr noch unter dem Namen Tristan im Finale der vierjährigen Hengste platzieren konnte – sein Programm und sicherte sich mit einer 8,1 und damit einer halben Note Vorsprung zum Zweitplatzierten den klaren Sieg. Zweiter wurde der 2008 ebenfalls im Trakehner Championat platzierte Bundeschampionatsteilnehmer POMMERY v. Hibiskus unter Züchtertochter Nicole Raili. Auch er punktet immer wieder mit seinen hervorragenden Reitpferdequalitäten und sammelt regelmäßig Schleifen in Dressurpferdeprüfungen. Dritter wurde der dänische GABBANI v. Hertug unter Evi Penzlin. Auf dem vierten Platz rangierte der Trakehner Champion der vierjährigen Reitpferde aus dem vergangenen Jahr, COPAIN v. Gribaldi unter Uwe Stradtmann.
Der fünftplatzierte PAGO GO v. Bel Espace Go und sein Reiter Andreas Brandt sind ebenfalls gute Bekannte vom letztjährigen Bundesturnier.

Auch die sechsjährigen Nachwuchspferde konnten ihre Qualitäten in der für sie ausgeschriebenen Dressurpferdeprüfung der Klasse L am Freitag messen. Hier siegte mit deutlichem Abstand die elegante Gribaldi Tochter ALINA, vorgestellt von Carina Rüth. Zweite wurde IN VITA v. Buddenbrock unter Pascale Sax vor SIR ARTHUR 5 v. Buddenbrock und Rena Fraikin. Vierter wurde der gekörte DONAUZAUBER v. Distelzar unter Vera Nass.

Dressurchampionat – auf gutem Weg
Traditionell werden beim Trakehner Bundesturnier auch die Nachwuchschampions auf dem Niveau von Dressur- und Springpferdeprüfungen der Klasse M gekürt. Das Championat der jungen Dressurpferde blieb in diesem Jahr bis zum letzten Ritt besonders spannend.

Mit einer 8,3 und damit dem Sieg in der zweiten Wertungsprüfung sicherte sich der ehemalige Sommerlader Beschäler C’EST BON von Distelzar unter Kristine Möller vom Gestüt Pallerhaff aus Luxemburg nicht nur den Sieg in dieser Prüfung, sondern auch den Titel des Trakehner Dressurpferdechampions 2009. Schon in der ersten Wertungsprüfung machten die beiden durch einen hervorragenden fünften Platz auf sich aufmerksam. Kristine scheint ein Abonnement auf eine Championatsschärpe zu haben, sicherte sie sich doch im vergangenen Jahr bereits den Titel der dreijährigen Hengste mit ihrem eleganten Hamilton. Besonders erwähnenswert ist an dieser Stelle die Tatsache, dass sich der junge C’est bon nach seiner „Rastzeit“ im Gestüt Sommerlade, wo ihn Jens Thorsen und Kristine Möller entdeckten, in nur zwei Jahren zu einem strahlenden Dressurpferd entwickelt hat und bei seinem dritten öffentlichen Auftritt in diesem Maße zu überzeugen wusste. In der ersten Wertungsprüfung siegte mit der Wertnote 8,1 der Fuchshengst FLAVIO GO v. Maizauber unter Jürgen Höfler, der durch eine fehlerfreie und ausdrucksstarke Vorstellung punktete.

Auf dem zweiten Platz in dieser Prüfung folgte die ehemalige Siegerstute, Bundeschampionats- und WM-Teilnehmerin IN VITA unter Pascale Sax. Leichtfüßig und sportlich konnte das harmonische Paar einmal mehr die Zuschauer und Richter überzeugen. Ihre hervorragende Form bewiesen die beiden auch am darauffolgenden Tag in der zweiten und mit vier fliegenden Wechseln schwierigeren Wertungsprüfung des Dressurpferdechampionats, in der sie – wie auch abschließend in der Championatswertung – den Silberrang belegten. Dritte am ersten Tag und nur knapp geschlagen auf dem ersten Reserverang der zweiten Prüfung zeigten sich Kirsten Hanning und die aus eigener Zucht stammende bewegungsstarke und überaus rittige OKIARA v. Hohenstein. Bereits am Freitag konnten die beiden überlegen mit einer 8,3 die L-Dressur gewinnen. Das besondere an dieser Stute und ihren Vollgeschwistern ist die überdurchschnittliche Qualität der „schwarzen Perlen“ aus dieser Anpaarungskombination. Neben einigen prämierten Vollschwestern sei der gekörte Prämienhengst Ovaro genannt, der in diesem Jahr unter Karin Winter-Polac erste Erfolge in schweren Dressurprüfungen sammelt.

Auch der gekörte EASY GAME v. Gribaldi konnte unter Jan Lens durch einen vierten und einen dritten Platz in den beiden Wertungsprüfungen auf sich aufmerksam machen. Schwungvoll, lektionssicher und mit großer Ausstrahlung beeindruckte der großrahmige und bereits für das Bundeschampionat qualifizierte Hengst. Auch hier erweist sich die Anpaarung als äußerst erfolgreich: Easy Game’s Vollschwester Elba ist amtierende Siegerstute des Rheinlands und bislang höchst bewertete Stute des Jahrgangs.

S-Dressuren – Routinierte Auftritte
Internationale Turnierergebnisse zeigen es schwarz auf weiß: die sportlichen Stärken von Trakehnern liegen im Viereck und im Busch! Auch beim Trakehner Bundesturnier in Hannover traten in den vergangenen Jahren die Besten in Frack und Zylinder mit ihren vierbeinigen Cracks an. Ein Trend, der 2009 nicht anhielt. Bereits im Vorfeld des Top-Events wurde klar, dass die schwersten Aufgaben im Viereck, eine Intermediaire I und eine Intermediaire II, aufgrund von zu geringen Nennungszahlen ausfallen. Zuchtleiter Lars Gehrmann fand terminliche Turnierüberschneidungen als Erklärung. Weiterer Wermutstropfen: Nur ein kleiner Teil der mit dem TSF-Kürzel Ausgezeichneten war im Viereck zu bewundern.

Sportliche Aushängeschilder wie Insterburg TSF, Hinnerk TSF, Kaiserdom TSF oder auch Kaiserkult TSF blieben der Trakehner Veranstaltung fern. Dafür machten andere TSF-ler auf feinste Art und Weise auf sich aufmerksam: Corinna Hellmann tanzte mit TANTRIS TSF an die Spitze in der Dressurprüfung der Kl. S*, 70,083 Prozent kassierte das Paar. Auf Platz zwei sortierte sich die in Deutschland lebende Kanadierin Leonie Bramall mit dem gekörten SHOWTIME ein (70,00 Prozent), vor der finnischen Nationenpreisreiterin Terhi Stegars mit dem gekörten AXIS TSF und Pascale Sax aus Luxemburg mit BONUS (beide 68,417 Prozent).

Hingucker im Teilnehmerfeld war der erst siebenjährige ehemalige Siegerhengst LE ROUGE, der von Vera Nass präsentierte wurde. Der kapitale Fuchs startete erst vor wenigen Wochen in seiner ersten S-Dressur. In Hannover hätte die schwungvolle Vorstellung eine vordere Platzierung verdient. Leider waren sich die Richter uneins: Die Juroren bei H und C sahen das Paar auf den Rängen vier und zwei. Richter bei M rangierte ihn an Position zwölf. So wurden es im Endresultat 68,167 Prozent und Platz sechs.

Im Prix St. Georges war die Leistungsdichte erneut sichtbar: Dieses Mal standen Terhi Stegars und ihr Sixtus-Sohn vorne (70,877 Prozent). Leonie Bramall mit Showtime und Corinna Hellmann mit Tantris TSF reihten sich ein. Dass die Finnin und ihr erst zehnjähriger Hengst Potenzial für viel mehr haben, offenbarte die Intermediaire I-Kür. Zu rockigen Klängen zeigten die beiden eine blitzsaubere Leistung. Hier passte alles: 75,250 Prozent und Platz eins! Corinna Hellmann wählte für ihre Darbietung klassische Musik und belegte mit Tantris TSF und 71,417 Prozent den zweiten Platz vor Matthias Klatt mit seiner 13-jährigen Stute SEA CLOUD (70,667 Prozent).

Gelände – Höchstnoten zum Auftakt
Die Höchstnote der Veranstaltung wurde in diesem Jahr im Beisein lediglich weniger Insider vergeben: Die Geländepferdeprüfung Kl. A am Donnerstagabend war übersichtlich, aber mit besonderer Qualität bestückt. In meisterlichem Beritt von Andreas Dibowski brillierte der 5-jährige ehemalige Siegerhengst SONGLINE v. Summertime, der für seine Runde die Traumnote 9, 2 erhielt. Mit der WN 8,4 folgte in Top-Rennkondition die für das Bundeschampionat qualifizierte Heraldik xx-Tochter CARA FELIZ unter Janet Wiesner. An dritter Stelle mit der WN 8,4 IRISH COFFEE v. Sir Chamberlain unter Jens Hofrogge, als Enkel des Sir Shostakovich xx Buschblut vom Feinsten führend. Key West ist Vater des ebenfalls für das Bundeschampionat qualifizierten CONNAISSEUR, der unter Michael Meier mit einer 8,3 benotet wurde, gefolgt vom gekörten Axis-Sohn BALLZAUBER, den Alexa Bendfeldt mit der
WN 8,2 vorstellte.

Freunde der Vielseitigkeit kamen darüber hinaus nur noch im Geländeritt der Vielseitigkeit Kl. A auf ihre Kosten – sowohl die VL als auch die GPL fielen dem geringen Nennungsergebnis zum Opfer und damit aus. Die VA sah einen Doppelsieg der Schweizerin Esther Andres mit den von ihrem Vater gezogenen Vollbrüdern SCHWALBENPRINZ und SCHWALBENFÜRST, die beide bereits nach der Dressur das 15 Starter starke Feld anführten und diese Position nicht aufgaben. Beeindruckend waren einmal mehr die Bodenverhältnisse, denen heftige Regengüsse unmittelbar vor der Geländeprüfung nichts anhaben konnten.

Springen – Lonesome Hero Hirtentanz
Wir haben Hirtentanz. Das wissen mittlerweile so einige Nachbarzuchtverbände und haben das Trakehner Springwunder mit Erstaunen und  Bewunderung im Blick. Der Prämienhengst und beste Springhengst seines Körjahrgangs hätte im Wettstreit um den Titel des Trakehner Springchampions schon ungewohnte Aussetzer zeigen müssen, um hier nicht mit Siegerschärpe dekoriert den Platz zu verlassen. Er blieb seinem Ruf treu, nicht nur vermögend, sondern auch stets leistungsbereit und konzentriert mitzuarbeiten, erfüllte alle Erwartungen und gewann beide Springpferdeprüfungen der Kl. M. Sein ständiger Reiter Takashi Haase hat als selbstständiger Profi nur einen Trakehner im Stall und war am selben Wochenende in Holstein mit weiteren Berittpferden im Turniereinsatz. Dennoch stand es für den Reiter außer Frage, an zwei Tagen mit Hirtentanz in Hannover zu starten. In der Springpferdetour der Kl. M profilierte sich mit deutlichem Abstand zum Sieger bewährtes Trakehner Springblut, nämlich Schneesturm-Sohn PAINTED SNOW unter Franziska Bunte und TIZIAN 73 v. Abdullah unter Fabian Lipsky.

Die Springpferde-L konnten der 4-jährige IGNATIUS v. Titulus unter Dennis Diercks  und der für die Bundeschampionate der Geländepferde qualifizierte HAKUNA MATATA v. Cavallieri xx unter Kaddur Kelkha für sich entscheiden. Neben dem Blut der Sixtus- und Abdullah-Nachkommen sowie einiger Halbblüter betraten erstmals Kinder des vielfach S-erfolgreichen Long Deal den Parcours in Hannover; auf ihre Entwicklung darf man gespannt sein. Mit 9 bzw. 10 Startern waren die Springpferdeprüfungen der Kl. L schwach besetzt, negativ getoppt von den Sprinpferdeprüfungen Kl. A, in denen neben Ignatius eine Tochter des Peron Junior, HAMILTON, unter dem Sattel von Fabian Lipsky die goldenen Schleifen erhielten.
Die Springprüfungen der Kl. M und S sahen in der Mehrheit routinierte Pferde am Start und in den Platzierungen. Der Sieg im S-Springen ging an Hans Baumgartl, der mit der 16-jährigen ALLENSTEIN v. Nerv die schnellere der beiden Null-Runden vorlegte.

Fahren – Premiere mit Stil
Erstmals fanden auf dem Bundesturnier Fahrprüfungen statt. Ausgeschrieben waren eine Gespannkontrolle, eine Dressurprüfung Kl. A, ein Kegelfahren Kl. A sowie eine Kombinierte Wertung für Einspänner. Gemessen auch an dem Aufwand, den ein Turnierbesuch mit Pferd und Wagen bedeutet, sind 10 Starter hier ein erfreuliches Ergebnis. Die schön herausgebrachten Gespanne waren für die wenigen Zuschauer, die am Morgen nach der Fohlenauktion den Weg ins Reiterstadion gefunden hatten, eine Augenweide. Ein paar Erläuterungen vom Fahrexperten für die zuschauenden Reiter und deren Tross hätten diesem schönen Sport vielleicht noch mehr Interessenten beschert, sind doch die Anforderungen an ein Fahrpferd sehr hoch und die Kriterien einer gefahrenen A-Dressur teils andere als unter dem Sattel. Strahlender Sieger war das Gestüt Volkmarst mit den selbst gezogenen Pferden HOW ABOUT TSF und HILKA 8, die von Ronny Schößler und Falko Mäkelburg vorgestellt wurden und zu Recht der ganze Stolz ihres Züchters Horst Tessner sind. Ein erstes Fazit beinhaltet bereits, dass die Fahrprüfungen ausgebaut werden sollen und bei kommenden Bundesturnieren hoffentlich auch die Zweispänner mit von der Partie sein werden.

Jugend – Auf zu neuen Ufern?
War die die Kombinierte Jugendprüfung  in den ersten Jahren des Turniers noch ein echter Renner mit mehr als 40 Startern pro Prüfung, schien hier in diesem Jahr ein wenig „die Luft raus“. Maximal 12 Starter waren für die einzelnen Prüfungen im Aufgebot; der Sieg in der Kombinierten Prüfung aus Theorie, Vormustern, E-Dressur und E-Springen ging an Katharina Wessel mit dem 18-jährigen HERBSTZAUBER v. Guter Planet vor Jacqueline Kühne mit Krokant v. Summertime und Ronja Lichatz mit Alaska Lady v. Trocadero. Von Kl. E zu Prüfungen der Kl. L in Konkurrenz zu Reitern der hohen Leistungsklassen ist es allerdings für die meisten Junioren ein großer Sprung. Vielleicht wäre es einen Versuch wert, Trakehner Junioren auf A oder A/L-Niveau mit Startmöglichkeiten nach Hannover zu locken. Die Stimmung, die die Jüngsten und ihr aufgeregter Tross in den Anfangsjahren mitgebracht haben, hätte es verdient, auch weiter auf Trakehner Pferde fokussiert zu werden. Die nächste Generation mit Trakehnern beritten zu machen, ist neben dem großen Sport doch eine zukunftsweisende Aufgabe der Zucht.

 
(Texte: Stephan Bischoff, Imke Eppers, Julia Martin, Ulrike Sahm)

 

Spitzenlot und Spitzenpreise 

Hier passte alles: Elitefohlen, die diesen Namen verdienten, Organisation und Ambiente, gewürzt mit ein wenig Dramatik ob der lokalen wie auch der wirtschaftlichen Wetterlage – die 5. Fohlenauktion im Rahmen des Trakehner Bundesturniers war rundum gelungen.

 

Mit dem Ergebnis dieser hervorragenden Fohlenauktion erkläre ich persönlich die Krise als ab sofort beendet“, fasste Hubertus Schulze-Rückkamp – den Mitgliedern des Trakehner Verbandes spätestens seit seiner beeindruckenden Vermarktungsrede anlässlich der Mitgliederversammlung in Aachen bestens bekannt – das Resultat der Trakehner Elite-Fohlenauktion 2009 zusammen. Er trifft damit die Meinung vieler Zuschauer, Teilnehmer, Beschicker, Käufer und nicht zuletzt die Hoffnung des Trakehner Verbandes als Veranstalter der Auktion auf den Punkt. Entwickelte sich doch die diesjährige Fohlenauktion zu der erfolgreichsten in der Geschichte der Veranstaltung. Mit einem Durchschnittspreis von über 8.000 €, einem nur geringen Anteil an Rückkäufen und sehr prominenten Kunden kann sich das Ergebnis der Auktion im Bundesvergleich sehen lassen.

Die Kollektion umfasste 24 qualitätvolle Fohlen unterschiedlichster Abstammung. Für jeden war etwas dabei: blutgeprägte Zuchtstuten, dressurveranlagte Hengstanwärter oder leichtfüßige Springhoffnungen gehörten zu ausgesuchten Auktionsfohlen des Jahrgangs 2009. Das Auktionsteam um Helmar Bescht hatte ganze Arbeit geleistet und konnte hervorragend herausgebrachte Fohlen in besonderem Ambiente präsentieren. Einziger Wermutstropfen war die von Lars Gehrmann und Erhard Schulte kommentierte Präsentation der Fohlen am Freitagnachmittag, die im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fiel. Die warme Sonne, an der sich zu Beginn der Präsentation Aussteller wie Zuschauer gleichermaßen erfreuen konnten, musste im Laufe der Veranstaltung heftigsten Sturmböen und strömendem Regen weichen. Beim letzten Fohlen waren schließlich nur noch die härtesten Zuschauer am Platz - die anderen retteten sich unter schützende Dächer.

Als sei es eine Wiedergutmachung, spielte das Wetter am kommenden Abend alle Trümpfe aus. Bei schönstem Sonnenschein, bester Laune und voll besetzten Rängen leitete Uwe Heckmann gewohnt dynamisch und humorvoll durch die zügige und spannende Auktion.

Preisspitze und mit seinen lockeren und schwungvollen Bewegungen sicherlich auch einer der Publikumslieblinge wurde der Hengst FLIEDERGLANZ von Singolo - Cadeau. Genau 20.000 € ließen sich der niederländische Hengsthalter Joop van Uytert und Hans-Peter Kleinfeld aus Schleswig-Holstein den Hengstanwärter kosten. Karl Skupin, der Züchter des Bewegungskünstlers, schaffte mit diesem Traumergebnis als Beschicker der Trakehner Fohlensommeraukion einen Einstand nach Maß.     US

 

 
SUMMARY
It really does work: “breeding and sports – hand in hand”. The 5th International Trakehner Show in Hanover proved an impressive, large-scale demonstration of this frequently quoted postulate. The three and a half days in the Reiterstadion were praised by many as the best ever national Trakehner show held at the Hanover venue. Even though the inclusion of the 7th Trakehner in-hand mare show of the breeding district Lower Saxony Hanover on Saturday afternoon tested the flexibility of the timetable of the show under saddle, it added some extra value to the event.
The 2009 Riding Horse Champions: the well developed chestnut gelding LUDWIG by Elitär won the division of the 4-yr-old mares and geldings; the class of the 4-yr-old stallions was dominated by the first crop of Oliver Twist with GRAND PASSION taking first and SINGOLO second place. The black beauty KARVINA by Hibiskus took home dthe class of the 3-yr-old fillies and geldings. REDECKER by Kasparow won the division of the 3-yr-old stallions, followed by his stable mate AMADELIO by Lehndorff’s.

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