Samstag, 04. Februar 2012
 


Zuchtfortschritt und züchterische Standortbestimmung – das sind die traditionellen Forderungen, die die in mehrjährigem Turnus stattfindenden Landesschauen in den jeweiligen Zuchtbezirken erfüllen sollen. Aber auch als Schaufenster für die hippologische öffentlichkeit erfüllt eine solche Schau ihren Zweck. Grosses hat sich Niedersachsen-Hannover und sein Arbeitsteam vorgenommen: Im Rahmen einer der zentralen Hauptveranstaltungen des Verbandes, dem Bundesturnier, werden am Samstag, 25. Juli 2009 die Besten des Landes vor grosser Kulisse paradieren!

 
Bereits die 1. Landessschau des Zuchtbezirks Niedersachsen-Hannover – in Zeiten der deutschen Teilung zählte auch Berlin zum Zuchtbezirk – am 2. Juni 1972 fand in einem ganz besonderen Ambiente statt: Den publikumswirksamen Rahmen bildete die DLG- Ausstellung, wo der Trakehner Verband eine viel beachtete und hoch gelobte Zuchtpferde-Kollektion präsentierte. Erstmals wurden Halbblüter ausgestellt, an der Spitze die Hengste PRINCE CONDÉ, SCHWARM und die herrliche GRISELDIS, denen die Traumgeist xx-Töchter AMADINE, MARIENBURG und schließlich HARDA und TRACHT, beide v. Prince Rouge xx, folgten. Somit war viel hippologische Prominenz auf dieser Landesschau versammelt, Initiator und Leiter war Ulrich Poll, einer der großen Männer dieses Verbandes.

Das Gestüt Webelsgrund, damals bereits eine Institution und einer der wichtigsten züchterischen Pfeiler für die Gesamtzucht, hatte in Hannover seinen ersten großen Auftritt für die breite Öffentlichkeit. Der Siegerpreis bei den Züchtersammlungen, eine der begehrtesten Auszeichnungen, ging nach Springe: In ihr war sowohl die Siegerfamilie der SCHWARZE SCHWALBE mit den Impuls-Töchtern SCHWALBENLIED und SCHWALBENTREUE versammelt, mit den Impuls-Töchtern der KASSANDRA, KASSIOPEIA, KAPRICE und KARAVELLE eine weitere I-Preisträgerin. Hier ging auch die spätere Siegerstute Kassiopeia, die sich ebenso wie Schwester Kaprice längst zu den Hämelschenburger Stammstuten von Jutta und Otto Langels zählen durfte.

Reservesiegerin wurde BAMBINA v. Oekonom, ausgestellt vom ostpreußischen Traditionszüchter Benno Baumgart. Weiteres „ostpreußisches Urgestein“ war unter den Beschickern prominent vertreten: Peter Elxnat präsentierte mit STERNLICHT v. Indigo II und den Herbststurm-Töchtern SOMMERLICHT, SCHWINDLERIN II und SOMMERNACHT vier imponierende Nachkommen seiner Treckstute Schwindlerin – eine Familiengruppe wie aus einem Guss. Auch Ulrich Poll, Erich Kraushaar, Alfred Lingnau, Georg Hallensleben, Klaus Hagen, Fritz Klein und Hans Steinbrück vertraten die Pferdezucht ihrer Heimat in vorbildlicher Darstellung: Ihre in den Einzelklassen hochprämierten Stuten CELESTA v. Marcio xx,  HERZMAID v. Major, TOROSA v. Ostwind, LARISSA v. Masur, GERLINDE v. Anwalt, MIROSCHKA v. Herbstglanz  bzw. TAWE v. Poet xx dokumentierten zugleich züchterische Familientradition. Gerhard Gunia zeigte mit REGION v. Hessenstein und TATRA v. Maigraf xx die Stamm-Mütter der heutigen, hoffnungsvollen Beschäler aus junger Garde: REDECKER und TITULUS.

Fast vier Jahrzehnte sind seit diesem Tage vergangen. Jahre, die Kontinuität demonstrieren,  denn nahezu alle diese Zuchten präsentieren sich nach wie vor in ursprünglicher Züchterhand oder aber in denen der nachfolgenden Generation - traditionsreich und höchst lebendig. Zukunftsweisend die Klasse der Dreijährigen: an der Spitze die spätere mehrfache Schausiegerin und Gründerstute PALMA v. Morgenglanz, ihr folgend die Hunnesrückerin TORTILLA v. Kampfgeist, mit ELFENQUELLE v. Magnet die zweite Mutter des Siegerhengstes ELFENGEIST und schließlich die spätere zweifache Championatssiegerin SCHWALBENLIED, Hengstmutter und in Hämelschenburg Begründerin einer eigenen, weit verzweigten Familie, die zu den wertvollsten Dynastien der Gesamtzucht zählt. Unter ihrem Besitzer Otto Langels gewann sie auch die Materialprüfung, als Siegerin bei den älteren Materialpferden ihre Stallgefährtin HYMNA v. Hertilas, ebenfalls unter Otto Langels.

Ein weiterer Höhepunkt der „gelungenen Veranstaltung mit überzeugender Aussagekraft“ war eine Präsentation von Beschälern des Zuchtbezirks in vorzüglicher Form und Darstellung: Dem 30-jährigen KEITH v. Pythagoras folgten HESSENSTEIN v. Komet, sein Sohn MÄRCHENSTEIN, AMAGUN v. Gunnar und der Flaneur-Sohn HEMMINGWAY.

Zweite Landesschau 1984 in Hannover-Laatzen
Wie sehr bereits vor 25 Jahren um die Weiterführung derartiger Veranstaltungen und ihre Akzeptanz gerungen wurde, dokumentiert die Berichterstattung des Zuchtleiters Dr. von Velsen-Zerweck im Anschluss an die 2. Landesschau des Zuchtbezirks, die am 16. September 1984 auf der Reitanlage von Erich Kraushaar in Hannover-Laatzen stattfand:

„Diese Landesschau war ein Meilenstein für die züchterische Arbeit und Weiterentwicklung der Zucht. Sie gab deutlich Auskunft über sichtbaren Zuchtfortschritt gegenüber den Landesschauen früherer Jahre. Man hätte ihr allerdings mehr Resonanz, besonders aus den Reihen der Züchter des Verbandes gewünscht. Landesschauen in der Trakehner Zucht gehören zu den wichtigsten züchterischen Ereignissen, auf die nicht verzichtet werden kann. Sie dienen dem züchterischen Wettkampf, gleichzeitig der Orientierung des einzelnen Züchters und auch der Zuchtleitung. Der Vergleich ist A und O jeder züchterischen Arbeit!“
Eine Forderung, deren hoher Anspruch nach wie aktuell ist. Wie sehr diese eindringlichen Worte mit Leben erfüllt werden können, demonstrierten die erstklassigen Landesschauen in Niedersachsen-Hannover im Jahre 2002, Baden-Württemberg 2005, Hessen 2006, im Hauptgestüt Graditz 2007 und Schleswig-Holstein 2008, getragen von einem engagiertem Arbeitsteam und einer hochmotivierten Züchterschaft!

Auch das Jahr 1984 bot eine Landesschau mit viel Prominenz: Die große CAPRI v. Mackensen, aus Carl Gebauers Zucht und Jürgen Hankes Besitz stand als Siegerin im Zentrum des Geschehens. Nur wenige Monate später wurde ihr Sohn CAPRIMOND geboren – den der Zuchtleiter so treffend als „Pythagoras der Gegenwart“ titulierte und der auch den Namen der Mutter zur Legende werden ließ. Bei den Zweijährigen stellte Klaus D. Marggraf die Siegerin: LAJANA v. Mahon ist längst Elitestute und überblickt im Hause Marggraf eine große Familie, die sich durch Gleichmaß in Typ und Adel, Bewegungs- und Reitqualität auszeichnet und der auch der bis S ausgebildete gekörte LAMBRUSCO angehört. Es war auch die Schau des Hauses Langels.
Hämelschenburg demonstrierte züchterische Kontinuität auf besonders hohem Niveau: Als Reservesiegerin ging mit der vierfachen Hengstmutter KLEOPATRA v. Ibikus eine Tochter der Landessiegerin 1974 und dreifachen Hengstmutter Kassiopeia im Ring. Zwei Familien wurden mit Ia ausgezeichnet, beide stammten aus der Zucht und dem Besitz von ostpreußischen Traditionszüchtern: Die Familie der SCHÖNAU v. Ordensglanz präsentierte Hans Steinbrück, Hans-Hermann Rohrmoser zeigte fünf Nachkommen seiner Gründerstute KYRA v. Komet.

3. Landesschau 1995 in Soltau
Mit „bewegungsoptimal“ hätte man die Darstellung einiger der Konkurrentinnen auf dem Dreieck kommentieren können. Besonders eindrucksvoll die Darbietungen der Klassensiegerinnen ESPRIT v. Benz, TANZSTUNDE v. Consul, AMAZONIA v. Polargeist und KASSUBEN v. Enrico Caruso. Im Zentrum des Geschehens wiederum eine Hämelschenburgerin: Die klassisch schöne SCHWALBENLUST v. Enrico Caruso beeindruckte dazu als Reitpferdemodell hoher Klasse, der von ihr begründete Familienzweig steht in hoher Blüte. Auch Amazonia, EUROPA v. Amiego, BALLNACHT v. Marlon und CHARISMA vom Klosterhof haben sich als Großmütter der wertvollen jungen Beschäler AMADELIO, EDITORIAL, BALLZAUBER und C’EST BON ein züchterisches Denkmal gesetzt. Übertroffen in solcher Vererbungsleistung wurden sie durch die Siegerin der Zweijährigen, Insa Ruprechts Schmuckstück OLGA v. Sixtus, deren Zuchtlaufbahn durch ihre Prämiensöhne OLIVER TWIST und OKAVANGO das richtige Gesicht erhält. Einen prägenden Eindruck hinterließen auch die drei hochprämierten Familien: Die besonders typstarke Siegerfamilie der KOMTESS aus Jutta Böttchers Zucht, die vererbungssichere ETANA des Hauses Hanke mit ihren athletischen Töchtern Europa und Esprit und schließlich die sich durch hohe Zuchtqualität auszeichnende Familie der KANDIDA der Zuchtstätte von Hartmut Sylla.

4. Landesschau 2002 in Soltau
Eine Zentrale Eintragung, die mit Spitzenstuten seltener Machart strahlte, ging der 4. Landesschau im Sommer 2002 voraus. Im Rampenlicht stand der Klosterhof Medingen mit PENELOPE vom Klosterhof und POESIE vom Klosterhof, beide v. Tycoon, PATENTE vom Klosterhof v. Caprimond und DEKADE vom Klosterhof v. Hohenstein. Es war ein Jahrgang der Bewegungsstärken: Nicht weniger als 7 Dreijährige des 14-köpfigen Prämienlots erhielt für den Trab oder Galopp die Traumnote 9.0 und mehr, zwei der Stuten gar die 10! – Eine Präsentation, die auf eine große Schau am Folgetag freuen ließ.

Nahezu alle Dreijährigen hatten auch am Folgetag der Landesschau in ihrer Klasse ein gewichtiges Wort mitzureden. Der Siegerstute vom Vortag war auch hier die Siegesschleife nicht zu nehmen: An der Hand ihres Züchters Hartmut Traupe tanzte die herrliche PERKALLEN v. Friedensfürst über das Viereck. Als 1. Reservesiegerin zählte die beeindruckende Braune, die heute im Gestüt Wiesenhof nach wie vor zu den besten Stuten der Zucht zählt, zu den wenigen Dreijährigen, die jemals einen solchen Titel errangen. Mit der 2. Reservesiegerin stand wiederum Hämelschenburg im Rampenlicht: SCHWALBENSPIEL v. Exclusiv eiferte ihrer Mutter Schwalbenlust nach. Inzwischen ist sie mit Prämienhengst SHAVALOU und Siegerhengst SONGLINE bereits zweifache Hengstmutter. Mit diesem Titel kann sich auch die Siegerstute von Soltau 2002 schmücken: COPPELIA v. Marduc, von Andrea Sellhorn vorgestellt, brachte danach den eleganten Prämienhengst COUSTEAU, zudem galt sie lange als beste deutsche Halbblutstute. LANTANA v. Tycoon, die Siegerin der Klasse III, war seinerzeit bereits in Besitz von Geert Brenninkmeijer, Beste Dreijährige der Gesamtzucht und ist inzwischen zweifache Hengstmutter: LE ROUGE hatte einen überzeugenden Einstieg als Vererber und demonstriert hohe Qualitäten eines hochklassigen Dressurpferdes, dem jungen LATIN KING gelten auch reiterlich höchste Hoffnungen. Renate Hagens CARA AMADA v. Consul gewann die Klasse IVb, ihr Sohn CANZLER zählt zu den bewegungsstärksten Vatertieren der jungen Beschälergarde. Aus Klasse VI reiht sich eine weitere Klassensiegerin unter die Hengstmütter: Barbara Jörns KASTANIE v. Arogno brachte nicht nur den sportlichen KARL LAGERFELD, sondern auch die Jahressiegerin KARISSIMA v. Charly Chaplin, mit ihr die Mutter des mehrfach für das Bundeschampionat qualifizierten Prämienhengstes KASIMIR und mit ihm und seinen Schwestern KRETA und KOSIMA die amtierende Siegerfamilie Schleswig-Holsteins, Tasdorfs ganzer Stolz. Zukunftsweisend die Siegerin der Zweijährigen: Wilhelm Tiestes BALAIKA v. Preußenprinz ist inzwischen zuchtbewährt und nahm einen großen Auftritt auf der Trakehner Bundesschau für sich in Anspruch.

Eine ganz besondere Familie stand mit den Siegerschärpen auf der großen Bühne: Die Vollschwestern DONAUKAISERIN, DONAUGLÜCK und Dekade, alle vom Klosterhof, v. Hohenstein u.d. Donauwoge v. Sokrates wurden bewundernd „Die schwarzen Perlen“ genannt.  Schön zu wissen, dass sich alle drei nach wie vor in besten züchterischen Händen befinden: Donaukaiserin und Dekade bei Frank Martens-Bruns und Ilonka Danowski in Dierstorf und Donauglück im Gestüt Elmarshausen, wo auch Kasimir zu Hause ist. Besonders sportlich die Ib- Familie: Aus Grazias kleiner Dynastie bei Familie Eismann sind erstklassige Turnierpferde hervorgegangen, ihr folgte auf dem dritten Rang die blutgeprägte Familie des Fontainbleau, angeführt von seiner Vollschwester FINESSE, die das Züchterhaus Damm vertrat.

Große Emotionen und menschlicher Stil gaben dieser Schau ein würdiges Ambiente: Da war zum einen der bewegende Auftritt der 29-jährigen Totilas-Enkelin PANNA v. Herbstwind aus Dr. Barbara Rudorf-Stevers Stall in der Ehrenklasse. Es war auch die anrührende Ehrung  von Alexandra Gräfin Dohna, die angesichts der von ihr gezüchteten Spitzenstuten KONTESSINA und Kastanie, Vollschwestern zudem, die inzwischen den Elitetitel tragen, mit der Freiherr-von-Schrötter-Gedächtnis-Medaille ausgezeichnet wurde. Und es waren auch die Worte, die der Bezirksvorsitzende Jürgen Hanke an seine Mitstreiter richtete: „Die vielen Belobigungen, die mich erreichten, möchte ich nicht für mich in Anspruch nehmen, sondern an die zahlreichen Helfer, vor allem aber an meine engagierten Delegierten und Ersatzdelegierten weitergeben. Allein ihrer Spontaneität und unerschütterlichen Motivation haben die Züchter und ich es zu verdanken, dass diese Schau stattfinden konnte … Nicht versäumen möchte ich auch, allen Stutenbesitzern zu danken, die keine Mühen gescheut haben…“

Sieben Jahre sind seitdem vergangen. Alle Wege sind geebnet, dass die anstehende 5. Landesschau an ihre große Vorgängerin anknüpfen wird, der züchterischen Standortbestimmung und Dokumentierung des Zuchtfortschritts dienen kann und damit zum geschmückten Schaufenster der Rasse wird. Bei dem Engagement und der Treue, mit denen die niedersächsischen Trakehner Züchter an der Rasse hängen, angesichts des großen Zusammenhalts und des vorbildlichen Teamgeist der Mannschaft sind da kaum Zweifel angebracht. Zudem ist eine besonders profilierte Mannschaft mit den Vorbereitungsaufgaben betraut: Ansprechpartner in allen Belangen der Schau: Frank Martens-Bruns, Tel.: 04165-221753 oder 0170-5511586. Weiterhin Hartmut Traupe, Tel.: 05561-72442, Beate Langels, Henrik Auhagen, Nicole Engelhardt und Ulla Silcher.         Erhard Schulte

 

SUMMARY
The Bundesturnier, the annual Trakehner show under saddle, provides an effective showcase for the Trakehner breed thanks to the highly dedicated and committed work team of the breeding district Lower Saxony-Hanover. In 2009, the breeding district’s 5th regional in-hand mare show will be held in the course of this event as well. Big, well-established stud farms and numerous individual breeders, some of them with a decades-long history of successful Trakehner breeding, are going to present their very best mares on this stage and in this great setting. 
Entrants are challenged to emulate the unforgotten performances of the champion mares and producers of approved stallions Kassiopeia, Capri, and Coppelia, of the classic beauty Schwalbenlust, or the high-class champion families, with the three Donauwoge daughters, the “black pearls”, mentioned representatively here. Given the breeders’ motivation and the highly skilled and experienced work team, the mare show to be held on July 25 should be highly successful as well.

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