Die Vorstandswahlen bestimmten die diesjährige Mitglieder- und Delegiertenversammlung des Trakehner Verbandes, zu der der Zuchtbezirk Rheinland in die Räumlichkeiten des Aachen-Laurensberger Rennvereins eingeladen hatte.
„Ruhe vor dem Sturm“ war im Vorfeld durchaus geunkt worden, denn Vorstandswahlen hatten in der Vergangenheit schon für Diskussionen und Überraschungen gesorgt. Der Sturm blieb aus. Genau genommen regte sich nicht einmal ein laues Lüftchen. Die Mitglieder des Geschäftsführenden Vorstandes wurden in ihrer Arbeit bestätigt und ohne Gegenkandidaten mit jeweils absoluter Mehrheit für eine weitere Amtsperiode gewählt. „Wir freuen uns alle sehr darüber, dass die Delegierten unserem Wunsch, in dieser Besetzung weiterzuarbeiten, entsprochen und uns ihr Vertrauen entgegen gebracht haben. Wir haben schon viel bewegt und können nun den erfolgreich eingeschlagenen Weg weiter gemeinsam gehen“, bedankte sich Petra Wilm für das Votum der anwesenden Stimmberechtigten. Für die kommenden drei Jahre hat sich der Geschäftsführende Vorstand viel vorgenommen: „Wir möchten unsere Pferde noch mehr in den Sport bringen.
Außerdem wollen wir die vorhandenen Vermarktungsplattformen der Pferde für unsere Züchter noch weiter ausbauen“, so Petra Wilm. Über 120 Personen aus der gesamten Bundesrepublik nahmen an der Versammlung teil, viele von ihnen hatten bereits am Vorabend eine faszinierende Führung durch die Aachener Altstadt wie auch am Morgen der Versammlung eine nicht minder begeisternde Führung über das Gelände der Aachener Soers erlebt. Die nächste Mitglieder- und Delegiertenversammlung wird im April 2010 mit dem Zuchtbezirk Baden-Württemberg als Gastgeber auf der Rennbahn in Baden-Baden stattfinden.
Es war ein Tag der zivilen Töne. Diese aber verdienten Gehör und Konzentration der Anwesenden, denn weder die Präsidentin, noch der Zuchtleiter noch Wortbeiträge der Vorstandsmitglieder oder Delegierten ließen Zweifel aufkommen: Die Pferdezucht wie der Pferdesport gehen Zeiten entgegen, in den es gilt, alle Kräfte zu bündeln, gleichermaßen gemeinsam zu agieren wie auch Eigenverantwortung zu übernehmen.
Petra Wilm skizzierte die abgelaufene Amtszeit als konstruktive Jahre mit fantastischer Zusammenarbeit, die der Außendarstellung wie auch den sportlichen Leistungen der Trakehner Pferde enormen Vorschub geleistet habe. Ihr Dank ging an Vorstandskollegen, an alle Ehrenamtler, ohne die der vergleichsweise kleine Verband nicht lebensfähig wäre und an die Züchter, die mit ihren Pferden die Basis aller Erfolge sind. Die kommende Amtszeit steht im Zeichen einiger Veränderungen: In der Geschäftsstelle stehen personelle Umstrukturierungen an und bei den Aufgaben des Vorstands wird die Vermarktung oberste Priorität haben. Das Besondere, so Petra Wilm, habe auch künftig seinen Markt und seinen Preis und zwar nicht nur bei Spitzen- sondern auch bei normaler Qualität. Dass es sich bei ihren Zuchtprodukten um besondere Pferde handelt, müssen Züchter und Besitzer allerdings auch selbst herausstellen. Die Präsidentin formulierte einmal mehr die eindringliche Bitte an die Züchter, die Vermarktungsangebote des Verbandes mit guten Pferden und intensiver Kooperation zu unterstützen. „Mit Alexa Bendfeldt haben wir für die Vermarktung eine junge Frau eingestellt, die selbst aus dem Sport kommt und erfolgreich Trakehner reitet. Uns ist es ganz wichtig, unser Team zu verjüngen. Wir wollen mit jungen Menschen zusammenzuarbeiten, die Spaß an der Sache haben und neue Ideen einbringen.“
Gleichwohl appellierte die Verbandspräsidentin an die Züchterschaft: „Gehen Sie an die Sportstätten, schauen Sie, was heute von Pferden erwartet wird. Der Markt verändert sich und fordert ganz bestimmte Produkte. Wir Züchter müssen unsere Zuchtprodukte vermarkten und das bedeutet auch, dass wir unsere Konkurrenten kennen und uns mit ihnen messen müssen.“ Noch klarer formuliert warnte sie: „Wir dürfen – bei aller Verbundenheit mit dem Trakehner Pferd – nicht den Anschluss verlieren und nur im eigenen Saft schmoren!“
Zuchtleiter und Geschäftsführer Lars Gehrmann referierte zum Geschäftsbericht (s. DT 5-2009, S. 6 ff). Der Mitgliederrückgang im Verband um 1,7 % rekrutiert sich zum großen Teil aus einer Mitgliederbereinigung von langfristig säumigen Beitragszahlern. Die Abfohlquote von ca. 60 % ist zu gering. Ohne in diesem Rahmen Ursachenforschung betreiben zu können, vermutet Gehrmann hier die Kehrseite der künstlichen Besamung und zwar das Handling des Samens im Versand wie auch nach der Ankunft im Züchterstall. Auch das Thema Chippen zur Identifikation griff Gehrmann kurz auf: im laufenden Jahr werde im Trakehner Verband noch kein Fohlen gechippt. Definitiven Widerstand gegen das verpflichtende Chippen leisten derzeit nur noch die Zuchtverbände der Trakehner und der Holsteiner. Auch der Zuchtleiter appellierte an die Züchterschaft, das vergleichsweise ruhige Fahrwasser im Verband konstruktiv zu nutzen und sich für die zukünftigen Herausforderungen zu wappnen: Angesichts leicht sinkender Bedeckungszahlen zählt bei etwa 1.300 Fohlen im Jahr jedes Fohlen; jedes Sportpferd ist Imageträger für das Trakehner Pferd und es gilt, alle Ressourcen zu nutzen.
Der Haushaltvoranschlag wurde genehmigt, der Rechnungsprüfungsbericht vorgetragen und der Vorstand entlastet. Prof. Gerriet Müller präsentierte das Zahlenwerk des vergangenen Jahres und konstatierte. „Wir haben ein Ergebnis, das relativ befriedigt und angesichts der wirtschaftlichen Turbulenzen als solide zu bezeichnen ist.“ Für die Rechnungsprüfer regte Peter Rabe, Schwichtenberg, an, die Vermarktungsbemühungen dringend zu intensivieren, um das Ergebnis halten zu können und dabei auch die Außenwirkung im Auge zu behalten. Er begrüßt die Einstellung von Alexa Bendfeldt ausdrücklich und skizzierte ihre große Aufgabe mit einem einzigen Satz: „ Bei vollen Züchterställen darf kein einziger Käufer verloren gehen.“ IE


