„Ich bin dankbar, einen Trakehner reiten zu dürfen!”
Dieser Ausspruch von Anja Plönzke rührte die Trakehner Züchterschaft noch auf dem Galaabend 2008. Wenige Wochen später überraschte die Nachricht vom Verkauf des Trakehner Multichampions seine Fangemeinde.
Im Stall der Sponsoren von Olympiareiter Andreas Helgstrand soll Solero seiner neuen Besitzerin Lotte Vagner den Weg in die Grand Prix Klasse ebnen. Solero hat eine unvergleichliche Karriere erlebt und wurde bei seinem Galaauftritt 2008 in Neumünster von Jan Tönjes als der erfolgreichste Trakehner der Gegenwart angekündigt. Sein Stern begann 1995 anlässlich seiner Körung mit Prämie zu strahlen. Er ist der einzige Erhalter des Hyllos-Blutes in der männlichen Linie. Darüberhinaus machte ihn seine mütterliche Abstammung über Polargeist - Cocktail äußerst wertvoll. Nach zwei rheinischen Fohlen war Solero das erste Trakehner Fohlen seiner Mutter Siri Arabella aus dem alten Hauptgestütsstamm der Goldelse. Soleros Züchterin Roswitha Schwecht führte somit das züchterische Erbe ihres Vaters Karl Friedrich Schwecht fort, der seit den frühen fünfziger Jahren eine erfolgreiche Trakehner- und später auch Vollblutzucht auf dem Rittergut Burg Sievernich betrieb.
Der nächste Paukenschlag folgte mit dem Reservesieg in der Hengstleistungsprüfung in Redefin 1997. Allein sieben mal die Note 9,0 und besser bescherten ihm 127,27 Punkte insgesamt, nach erfolgtem Altersabzug von 5,05. Unter dem Sattel von Bernd Nöthen konnte Solero Seriensiege in Reitpferdeprüfungen sowie Dressurpferdeprüfungen der Klassen A und L verbuchen, war als Fünfjähriger Achter im Finale des Bundeschampionates. Unter Heiner Schiergen knüpfte Solero nahtlos an seine ersten Erfolge an und qualifizierte sich auch als Sechsjähriger für das Bundeschampionat. Parallel zum Turniereinsatz ritt Karl Kröll-Schwecht den Hengst ins Gelände, nur zwei- bis dreimal die Woche wurde Solero zu seinen Ausbildern gefahren. Züchterisch kam der dunkle Beau ebenfalls zum Einsatz, seit 1999 über die neu eingerichtete Besamungsstation des Rittergutes Burg Sievernich. Seine ersten Jahrgänge überzeugten. Mehrere Pferde aus diesen Jahrgängen sind mittlerweile bis in die mittelschwere, teilweise auch schwere Klasse vorgedrungen, zum Beispiel der in den Niederlanden erfolgreiche Marinetty.
Bei einem Reitunfall mit einem jungen Pferd zog Karl Kröll-Schwecht sich eine Halswirbelfraktur zu, die die bis dahin so erfolgreiche Trainingsphilosophie beendete. Michael Rahlke, seinerzeit Vermarktungsleiter des Trakehner Verbandes, vermittelte den Hengst in den Beritt von Oliver Luze, Chefbereiter des Gestütes Tannenhof. Als dieser zu einem Lehrgang in den USA weilte, sollte Anja Plönzke Solero nur im Training halten. Was als Übergangslösung gedacht war, entpuppte sich als Karriereschub für den Trakehner Sportler und es folgte ein kometenhafter Aufstieg in den deutschen und internationalen Dressursport. Nach nur wenigen Wochen gemeinsamen Trainings konnte Solero seinen ersten Start in der Klasse S sofort in einen Sieg ummünzen. Es folgte die Saison 2001, in der Solero neben hohen Platzierungen zu Seriensiegen in der Klasse S, St Georg und Intermediaire kam. Höhepunkt war seine erste Qualifikation zum Nürnberger Burgpokal in Essen-Weerden. Es folgte die Saison 2002 und für Solero schien es nur einen Weg zu geben: nach oben. Mit Erfolgen auf allen großen Turnierplätzen Deutschlands festigte Solero seinen Weg in der S-Klasse und qualifizierte sich erneut zum Nürnberger Burgpokal. Im Finale belegten Solero als bester teilnehmender Hengst und Anja Plönzke den Bronzerang. Anlässlich der Equitana 2003 ließ Solero beim Stallion Masters die deutsche Elite der turniererfolgreichen Deckhengste jenes Jahres hinter sich.
Eine besondere Klippe ist der Übergang von der S-Klasse in den Grand Prix. Solero meisterte diese Herausforderung mit Bravour. Sowohl seinen ersten Grand Prix als auch seinen ersten Spezial beendete Solero auf dem zweiten Rang. Wenig später konnte Solero international auftrumpfen, er gewann den Grand Prix auf dem Schindlhof der Familie Haim-Swarowski. Es folgten in seiner ersten Grand Prix-Saison weitere Siege und Platzierungen im In- und Ausland, was dazu führte, dass Solero 2003 der Titel ‚Trakehner des Jahres‘ verliehen wurde. Auf dem Galaabend konnte Soleros Züchterin Roswitha Schwecht zum ersten Mal die Dr.-Fritz-Schilke-Gedächtnismedaille für das erfolgreichste Dressurpferd der Saison in Empfang nehmen. Was noch keiner ahnte, dies sollte zum gewohnten Bild werden, denn sechs Jahre in Folge wurde Roswitha Schwecht mit dieser Auszeichnung geehrt!
Es folgten weitere Höhepunkte wie die Aufnahme in die Longlist für die Olympischen Spiele in Athen 2004, ein fünfter Rang bei der Deutschen Meisterschaft der Dressurreiterinnen in Balve, ein erster Auftritt in der CDI Tour des wohl bedeutendsten Turnieres der Welt, dem CHIO Aachen. Das Jahr 2005 geriet zum sportlichen Höhepunkt des Solero, der längst das TSF im Namen führte. Bei den Deutschen Meisterschaften gewannen Solero und Anja Plönzke die Bronzemedaille in der Damenwertung. Unvergessen bleibt die Flutlichtkür beim CHIO Aachen 2005, wo der Trakehner Dressurstar die goldene Schleife angeheftet bekam. Zum Saisonende ein weiterer Höhepunkt in Soleros Karriere: Der Sieg in der FEI Dressur Weltcup Prüfung in der Frankfurter Festhalle – und erneut der Titel „Trakehner des Jahres“. Auch in den Jahren 2006, 2007 und 2008 reihten sich Soleros Erfolge aneinander. In Wien, Nürnberg, Frankfurt, Braunschweig, Aachen, Bremen und Wiesbaden eilte er von Erfolg zu Erfolg.
Doch wo Licht ist, da ist bekanntlich auch Schatten. Der sportliche Einsatz des Hengstes machte es für Züchter nicht leicht, ihn zu nutzen, oft hieß es „Solero ist unterwegs”. So ist die Anzahl der Nachkommen nach über 10 Jahren im Deckeinsatz übersichtlich und teilweise vom Pech verfolgt. Sein bisher einziger gekörter Sohn Maxwell erlebte den Start einer Hengstkarriere nicht, ging kurz nach seiner Körung ein. Zunehmend fallen jedoch neben sporterfolgreichen Kindern auch herausragende Stuten auf, beispielsweise Navalou-D, Kaluna, aus der Vollschwester des Kaiser Wilhelm gezogen, oder Val Nigra. Hohe Zuchtindicees sowohl in der Zuchtwertschätzung der FN als auch in der internen Exterieurzuchtwertschätzung des Trakehner Verbandes sowie der Titel Elitehengst repräsentieren Soleros Wert auch als Vererber. Immer wieder gab es Stimmen, die einen gezielteren, maßvolleren Einsatz des Hengstes im Sport anmahnten. Es bleibt Spekulation, was dann noch möglich gewesen wäre.
Seinen Fans hat Solero eine ganze Dekade voller spannender, sportlicher Highlights und wundervoller Emotionen geschenkt, den Züchtern, die ihn genutzt haben, Fohlen, in denen er hoffentlich sein Erbgut weiterreichen konnte und für die Trakehner Zucht war er über Jahre die sportliche Gallionsfigur schlechthin. Den neuen Besitzern ist zu wünschen, dass sie Erfolg und Freude mit diesem besonderen Hengst erleben mögen. Solero selbst bleibt zu wünschen, dass er die Wertschätzung genießen möge, die ihm zusteht und ihn nach Abschluss seiner aktiven Sportlerkarriere hoffentlich ein liebevoller und umsorgter Lebensabend erwarten wird. Stephan Bischoff


