Samstag, 04. Februar 2012
 


Ein bewegender Moment beim Frankfurter Festhallenturnier: Das Licht senkt sich, die Musik wird feierlich, Spot an - und Einritt frei für MON ACTEUR TSF und Lutz Weyland.

Auf zur letzten Ehrenrunde. Denn für den nunmehr 19-jährigen Trakehner Fuchswallach ist es der letzte Auftritt auf der großen Bühne des Dressursports. Hier in der Festhalle, wo 2001 bei der Verleihung des Goldenen Reitabzeichens für Lutz Weyland und MON ACTEUR TSF eine der bemerkenswertesten Geschichten des Dressursports ihren weiteren Lauf nahm. Sieben Jahre später bieten 6.000 applaudierende Zuschauer im feierlich geschmückten Hallenrund am Samstagabend den entsprechenden Rahmen zum Abschied dieses Trakehners. Ein besonderes Pferd, das sein Reiter selber züchtete und ausbildete. Beide gingen gemeinsam ihren Weg im Turniersport - von der Reitpferdeprüfung bis zur höchsten internationalen Klasse, bis zum Grand Prix.

Bevor die ersten drei, mitunter nicht mal halb so alten Finalisten des Nürnberger Burg-Pokals 2009 sich in Frankfurt nochmals präsentierten, malte der typvolle, elegante Trakehner Fuchswallach mit dem schicken Kragen nochmals leichtfüßig seine Spuren in den Sand. Die Ohren aufmerksam auf seinen Reiter gerichtet, zog er piaffierend und passagierend durch die Bahn. Wieder fein gesetzte Pirouetten, mit denen er stets hoch punktete. So verabschiedet sich ein „Grandseigneur“ der Dressurszene. Bewegt zog Lutz Weyland unter dem Applaus der Zuschauer den Hut bzw. Zylinder vor seinem Pferd: „Sein Vertrauen, seine Menschenbezogenheit, seine Leistungsbereitschaft und sein Kampfgeist – das ist schon einmalig“, schwärmt Lutz Weyland. „Und nicht zu vergessen seine Schönheit und Klugheit, wenn ich das mal so sagen darf.“ Den 18-jährigen Mon Acteur TSF, Sohn des E.H. Anduc aus einer Mutter von Patron, und den 38-Jährigen verbindet eben eine besondere Beziehung.

Ein Rückblick: Gerade mit der Banklehre begonnen, beschließt ein 20-jähriger hessischer Jungzüchter seine Stute, mit der er mit 15 bereits die ersten Turniersiege sammelte, von Anduc decken zu lassen, der auf dem nahe gelegenen Rüdigheimer Hof von Klaus Wittlich stationiert ist. Wie folgenreich diese Entscheidung sein wird, kann er noch nicht ahnen. „Etwas Besseres ist mir in meinem Leben noch nicht geglückt“ formulierte Lutz Weyland es jüngst in einem Interview. Das Besondere: Er bildet den schicken Fuchs selber aus, nimmt später an Lehrgängen bei renommierten Trainern wie Christian Pläge oder Klaus-Martin Rath teil. Schnell ist Mon Acteur Seriensieger in Kl. L, 2001 folgt das Goldene Reitabzeichen für 10 S-Siege und das Kürzel „TSF“ im Namen, denn die Trakehner Sportförderung unterstützt das Paar seitdem. Mit den Erfolgen im Grand Prix kommen entsprechende Gebote für dieses Ausnahmepferd. Der Familienrat tagt und entscheidet: „Was wir jetzt haben, schafft man eventuell nur einmal im Leben. Mancher schafft das nie.“ Seine berufliche Karriere bei einer Großbank gibt der Diplom-Kaufmann zugunsten der sportlichen Laufbahn mit seinem Trakehner auf. Tagsüber wird trainiert, abends steht Lutz Weyland in der elterlichen Gastwirtschaft „Zum Mühlengrund“ hinterm Tresen, am Wochenende geht’s quer durch Deutschland zu Turnieren. Eleganz und Ausdruck sowie vorbildlichen Stil rühmen Zuschauer, Reiter und Richter gleichermaßen. Mon Acteur TSF avanciert so zu einem Sympathieträger der Trakehner Pferde. Und zu einem der erfolgreichsten Trakehner im Sport: Fast 300 Platzierungen, davon 136 in der Großen Tour. 75 Siege in der Klasse S, davon 19 Siege auf Grand Prix-Niveau. Ein Abonnement auf Spitzenplätze in der Großen Tour, sechs Jahre lang. 55.000 Euro Lebensgewinnsumme. Die renommierte Dressurausbilderin Sabine Rüben formulierte anerkennend: „Wenn wir Mon Acteur TSF und Lutz Weyland auf der Starterliste lesen, wissen wir, wie gut das Turnier ist und das wir unser Bestes geben müssen - mindestens.“

Ein paar Meilensteine: Die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften in Gera in 2003. In jener Saison steht Mon Acteur TSF in der Rangliste der erfolgreichsten Dressurpferde gleich hinter den Pferden der Bundeskaderreiter. Seitdem ist man jedes Jahr für die Deutschen Meisterschaften qualifiziert. Zweimal Hessenmeister. Ein besonderer Moment: 2005 beim Dressurturnier Langen bei der Siegerehrung direkt neben Satchmo und Isabell Werth – Weylands sportlichem Vorbild. 2008 ist das Trakehner Bundesturnier ein Highlight: Bei der Siegerehrung meint Siegerin Carola Koppelmann auf HINNERK TSF ebenso fröhlich wie respektvoll zu ihrem nächstplatzierten Nachbarn: „Lutz, Dein Fuchs ist ja schon doppelt so alt wie meiner.“

Nach Abschluss des so erfolgreichen „Alleingangs zum Grand Prix“, wie DER TRAKEHNER in 01/2006 titelte, wird Mon Acteur TSF nun Wetterauer Weiden genießen. Im heimatlichen Stall im hessischen Bad Vilbel-Massenheim ist er weiter der „König“, wie Weyland ihn auch nennt. Dort steht inzwischen mit ARAGON LE GRAND ein vierjähriger Solero-Sohn mit vielversprechenden Anlagen. Züchter: Lutz Weyland. Mit ihm wird der Grand Prix-Reiter wieder bei kleinen, feinen Turnieren in Hessen anzutreffen sein. Ein Anfang ist gemacht. Kommt einem bekannt vor. Klingt nach Fortsetzung. Verdient wär’s.          Jan Reuman

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