Samstag, 04. Februar 2012
 


Zuchtleiter Lars Gehrmann berichtet über bisherige Ergebnisse und Auffälligkeiten aus dem Trakehner Zuchtprogramm „Gezielte Paarung“.

In der April-Ausgabe von DER TRAKEHNER wurde ausführlich der Kriterienkatalog für die Auswahl der Stuten zum Zuchtprogramm „Gezielte Paarung (GP)“ dargestellt. Zwecks einer übersichtlichen Präsentation sei auf die in diesem Artikel veröffentlichte Tabelle der Auswahlkriterien für das GP-Programm 2008 hingewiesen.

Das GP-Programm, welches im Jahr 2004 startete, befindet sich sozusagen im 5. Lebensjahr, doch war allen Beteiligten von Anfang an klar, dass es lange dauern würde, bis erste messbare und einigermaßen verlässliche Leistungsinformationen vorliegen. Mit der Beurteilung der Fohlen kann die Leistungsaussage nicht abgeschlossen sein und auch die Zahl der gekörten Hengste oder der Prämienstuten bildet noch keine genügend gesicherte Grundlage für den Erfolg des Programms. Und die letzte Antwort wird der Sport bringen.

Das GP-Programm hat erste Erfolge aufzuweisen, die den Weg in Richtung Zuchtfortschritt bestätigen, aber in ihrer Aussagekraft zur Zeit noch nicht mehr als einen Trend darstellen. So wurden die Fohlen der GP-Jahrgänge im Durchschnitt besser beurteilt als die anderen Fohlen und als das Mittel der Population. Das war ein Effekt, der eigentlich auch vorauszusehen war wegen der Vorselektion der Elterntiere. Das Angebot der Zuchtberatung wird von vielen Züchtern dankend in Anspruch genommen und stellt schließlich auch eine Dienstleistung des Trakehner Verbandes dar. Die GP-Fohlen erzielten auf den Auktionen im Durchschnitt höhere Preise und aus dem ersten Fohlenjahrgang  entwickelte sich für die GP-Fohlen, beziehungsweise Junghengste, ein überdurchschnittliches Selektionsergebnis: Von den 705 geborenen Trakehner Hengstfohlen des Jahres 2005 waren  87 GP-Fohlen (=12.3%). Von den 70 zum Hengstmarkt ausgesuchten Junghengsten dieses Jahrgangs waren 16 ehemalige GP-Fohlen (=22.9%) und von den 20 gekörten Hengsten waren 7 ehemalige GP-Fohlen (=35%): Cousteau, Donauklang, Grand Passion, Halimey Go, Hamilton, Kronprinz und Singolo (ex Scivias). Schließlich waren vier der insgesamt sieben Prämienhengste auch als Fohlen mit dem GP-Status ausgezeichnet: Grand Passion, Cousteau,Halimey Go und Kronprinz. Aber wie gesagt, diese Ergebnisse sind noch nicht mehr als Trends und sollten nicht überbewertet werden.

Den positiven Ansatz des GP-Programms unterstreichen auch zwei bisher veröffentlichte wissenschaftliche Arbeiten. Nicole Volkmann beschäftigte sich ausführlich in ihrer Diplomarbeit im Rahmen ihres Landwirtschaftsstudiums an der Universität in Halle mit dem GP-Programm und den ersten beiden Fohlenjahrgängen 2005 und 2006.  Ferdinand Poll schrieb eine Bachelorarbeit für sein Agrarstudium in Göttingen und arbeitete ebenfalls mit den bis dahin zur Verfügung stehenden Fohlenjahrgängen 2005 und 2006.

Nicole Volkmann stellt fest, dass „die Mütter der GP-Fohlen in der Qualität ihres Exterieurs sehr unterschiedlich sind. „Das ist natürlich sehr logisch, da nicht nur Gewinnerinnen von Schönheitskonkurrenzen für dieses Zuchtprogramm ausgesucht werden, sondern vor allem Stuten mit einer weit überdurchschnittlichen Leistung unter dem Sattel. Sowohl Volkmann wie auch Poll kritisieren, dass die Vollbluthengste bei den Vätern der GP-Fohlen unterrepräsentiert sind. Das ist ein schönes Ziel der Optimierung. Laut Poll „sollten nur Väter im GP-Programm zugelassen sein, von denen ein Mindestmaß an Informationen vorliegt.“ Daraus resultiert ein Vorschlag von Poll, Hengste im ersten oder zweiten Deckjahr nicht für GP-Stuten zu empfehlen. Dieser Vorschlag kann im Einzelfall auch kontraproduktiv sein, wenn sich zum Beispiel ein Wechsel ins Ausland abzeichnet. Und wenn die Junghengste nicht mehr der Motor des Zuchtfortschritts sind, dann wäre jedes Zuchtprogramm kritisch zu überdenken. Deshalb stehen die Verdienste der Althengste nicht in Frage.

Auch in diesem Jahr werden die GP-Fohlen in ihrem Pass wieder eine besondere Kennzeichnung erhalten und auf den Internetseiten des Trakehner Verbandes findet derzeit gerade eine Aufarbeitung der Informationen aus dem GP-Programm statt.

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