Im Gestüt Pallerhaff ist das Ziel klar: die erste Liga des internationalen Dressursports – mit selbst ausgebildeten Trakehnern.
Kristine Moeller baut den Dressurstall von Cynthia und Jens Thorsen von der Pike auf und reitet in Nachwuchsprüfungen bereits international nach vorn. Das dänische Team in Luxemburg vereint Idealismus und Können, große Ziele und Freude an der täglichen Arbeit.
Kristine Moeller ist 18 Jahre alt und Absolventin des dänischen Handelsgymnasiums, als sie über den Kontakt zu Fie Skarsoe für ein Jahr auf dem Gestüt Wiesenhof „anheuert“. Eine Auszeit nur für die Pferde und weit weg vom heimatlichen Esbjerg an der Westküste Jütlands soll es werden. Pferde gehören für die junge Dänin seit jeher zum Leben: Ihr Großvater war Mitbegründer des Dänischen Warmblutzuchtverbandes und ist international geritten, ihr Vater ist Reiter und die kleine Kristine war schon mit drei Jahren im örtlichen Reitverein wie zu Hause. Ponyjahre folgten, dann mit „Sebastian of Victory“ die Mitgliedschaft im Kader der Jungen Reiter, der Sieg bei den Nordischen Meisterschaften und eine Finalplatzierung bei den Europameisterschaften. Reiten als Beruf ist allerdings nicht im Gespräch.
Auf dem Wiesenhof hat Kristine Moeller das Glück, mit Arnold Vrielmann, dem ehemaligen Gestütsleiter, arbeiten zu dürfen. „Von ihm habe ich super viel gelernt. Er hat eine ganz besondere Art mit Pferden“, beschreibt sie ihren Lehrmeister in Deutschland nach wie vor als Vorbild. „Er denkt immer kreativ, zwingt nie ein Pferd zu irgendwas. Er ist die Ruhe selbst, wenn er mit Pferden umgeht, und die Pferde mögen ihn alle sehr gerne.“ Aus einem Jahr werden vier Jahre. Eine entscheidende Richtung geben dem Lebensweg des Mädchens aus Dänemark dann die Wiesenhofer Trakehner: „Durch die Arbeit mit den Trakehnern habe ich gemerkt, dass die Chemie mit diesen Pferden einfach stimmt. Sie sind sensibler, man muss feiner und schlauer mit ihnen arbeiten.“ Im Umgang mit Pferden zählt für die zierliche blonde Reiterin Vertrauen und gegenseitiger Respekt. „Mit Kraft und Gewalt kommst du mit Trakehnern nicht weit. Das empfinde ich als enormen Vorteil, weil Reiten doch elegant und leicht aussehen muss.“ Das strahlen ihre Pferde aus und so sind sie nachzureiten: freundlich, mit feiner Hand und einem Lächeln.
Durch eine Freundin lernt Kristine Moeller dann Cynthia und Jens Thorsen und deren neu gegründetes Gestüt Pallerhaff kennen. Und anstatt zurück nach Norden geht es erneut einige hundert Kilometer nach Süden, nach Luxemburg. Wie schon auf dem Wiesenhof arbeitet sie auch hier zurzeit vornehmlich mit jüngeren Pferden. „Wenn man ihr Vertrauen gewonnen hat, lernen sie, gerade am Anfang, sehr schnell.“ Unterstützt von einer weiteren dänischen Mitarbeiterin des Gestüts Pallerhaff, Karen Nellemann, beginnt die Arbeit mit den rohen Pferden grundsätzlich vom Boden. Erst wenn das Pferd den Menschen vertraut, beginnt die Arbeit an der Longe und das eigentliche Anreiten.
Aktuell reitet Kristine Möller drei gekörte Hengste: Der Reservesieger 2004 , C’EST BON v. Distelzar, kam im vergangenen November von Sommerlade. Sein Halbbruder HAMILITON v. Distelzar wurde beim Hengstmarkt 2007 gekört, der 7-jährige NAGANO v. Traumdeuter ist in Dänemark gekört. Vorläufig nicht gekört, bereitet sie den 3-jährigen BLANC PAIN v. Peron Junior auf den 30-Tage-Test vor. Zwei weitere Dreijährige machen gerade die ersten Schritte unter dem Sattel: MERLOT v. Buddenbrock und SINNHÖFEN v. Schönbrunn
Und dann ist da noch die 6-jährige Monteverdi-Tochter ZENITH, die einen besonderen Platz im Herzen ihrer Reiterin einnimmt. Die hochsensible Rappstute forderte monatelang Geduld beim Anreiten und bleibt bis heute, wie Kristine Moeller es ausdrückt, „ein ausgeprägtes Fluchttier“. Mit außergewöhnlichen Anlagen: Zenith, gezogen von Roswitha Florenz, Neukirchen-Vluyn, war 2006 beste Vierjährige der zentralen Eintragung im Zuchtbezirk Rheinland-Pfalz-Saar, qualifizierte sich vier- und fünfjährig für die Bundeschampionate und im letzen Sommer zudem für die WM der Jungen Dressurpferde, wo sie im Finale Elfte wurde.
Internationales Parkett, das ist das große Ziel der junge Dänin, die die optimalen Trainingsbedingungen in Luxemburg schätzt: talentierte Pferde, eine moderne, ruhige und übersichtliche Anlage und ein Team, das zusammenhält und gern zusammen arbeitet. Die jungen Pferde sind in Luxemburg eingetragen und können dort auch vorgestellt werden. Als dänische Staatsbürgerin ist Kristine Moeller international für Dänemark am Start … mit dem Traum, irgendwann einmal für die dänische Mannschaft zu reiten. Die konkreten Zukunftswünsche aber orientieren sich direkt am Pferd: „Ich möchte immer besser werden. Mein Wunsch ist, aus jedem Pferd seiner Qualität und Möglichkeit entsprechend das Beste herauszuholen.“ IE


