Die Linie des Pasteur xx befindet sich gegenwärtig in voller Blüte. Nicht weniger als 30 Mitglieder dieses Mannesstammes standen seit der Jahrtausendwende als gekörte Hengste im Rampenlicht der Zucht. Der Einfluss des Vollblüters über die Töchter seiner Söhne und Enkel ist unübersehbar. Und schliesslich geniessen die Mitglieder der Blutlinie aufgrund hoher Reitqualität ein ausgezeichnetes Renommee.
Insgesamt stellte der Bürgermeister-Sohn 7 gekörte Söhne. Doch nur zwei von ihnen trugen das väterliche Erbe in männlicher Linie in die Zukunft: MAHAGONI und MICHELANGELO, der jüngste und züchterisch nach wie vor aktive Sohn, bilden die Grundpfeiler der inzwischen weit verzweigten Linie, die sich mittlerweile in 6. Generation darstellt.
Der sportliche FALKNER verbrachte den größten Teil seiner züchterischen Laufbahn in Dänemark. Mütterlicherseits reich mit Vollblutgenen ausgestattet, wurde KANT 13-jährig nach Schweden abgegeben, wo er nach drei Jahren tödlich verunglückte. Die schwedische Zucht bildete auch das hauptsächliche Wirkungsfeld des HLP-Siegers TESTAROSSA. Mahagonis älterer Bruder MARLON stand zeitlebens im Schatten des Bruders. Auch in seinen Vererbungstendenzen unterschied er sich deutlich von ihm. Sowohl in seinem Habitus als auch in seinen Nachkommen waren die Einflüsse des Vollblüters meist deutlich erkennbar. Sein Sohn TOPAS II wurde nach Kanada verkauft, während TIMBER sich im anspruchsvollen Springsport behauptete, bevor er 1996 nach Irland veräußert wurde, wo er im selben Jahr einging.
Adel, Gang und Rittigkeit? Mahagoni!
Als im Jahre 1976 der braune Sohn der Vogelsangshofer Spitzenstute MAHARANI als noch unfertiger Jüngling im Rampenlicht der Körung stand, hätte kaum jemand vorher zu sagen gewagt, dass der unscheinbare Halbblüter einmal zu einem der bedeutendsten Linienbegründer der Gegenwart werden würde. Der hochedle, kompakte, im Fundament reichlich leichte Flaneur-Enkel punktete vor allem durch seine erstklassigen Grundgangarten und wurde mit sicherem Auge von Walter Müller für sein hessisches Gestüt Wiesengrund erkannt. Kein Geringerer als „Altmeister“ Ulrich Poll hatte mit sicherem Auge den Halbblüter entdeckt und ihn dringend empfohlen. Die ersten Jahre seines Wirkens verbrachte er dann auch als Leihhengst in Hörem. Bereits als Dreijähriger überzeugte der Halbblüter letzte Zweifler: Als Bester stand er an der Spitze des Prüfungslots der Hengstleistungsprüfung in Adelheidsdorf. Von 1981 bis zu seinem allzu frühen Tod im Jahre 1985 bildete er das Aushängeschild der Deckstation im Gestüt Wäldershausen – nur wenige Jahre, die jedoch seinen späteren Ruf als Hauptvererber untermauern sollten. 1982 notierte die Zuchtleitung: „Nach Aufmachung, Typ, Gangvermögen, Gesamtqualität und Vererbung zu den besten Vollblutsöhnen der Nachkriegszeit zählend. – Hochedel, im Rahmen geschlossen wirkend, verkörpert der mittelgroße Hengst den Prototyp des Veredlerhengstes im besten Sinne.“
Von seinen 11 gekörten Söhnen waren CHRONOS, INSPEKTEUR, der in den USA geborene DONAUFÜRST, ENRICO CARUSO, RAVEL und RADOM im Großen Viereck erfolgreich. PERON vertrat den Vater auf dem olympischen Dressurparkett und zählte später auch in seinem Geburtsland zu den erfolgreichsten Pferden im nationalen Vergleich.
Auf Enrico Caruso führt der derzeit vitalste Zweig der Linie zurück. Der besonders rittige und intelligente Pasteur-Enkel begann seine Laufbahn im Gestüt Hämelschenburg und hinterließ hier eine größere Zahl von Sportpferden, die in allen Disziplinen bis zur höchsten Ebene erfolgreich unterwegs waren. Er wurde später in Nordamerika zu einem Gründerhengst, dessen Verdienste als klarer Sportpferdevererber unumstritten sind. Sein Sohn KOSTOLANY vertritt gegenwärtig mit Vorbildfunktion die väterliche Linie auf züchterischem und sportlichem Sektor. Der Hämelschenburger Hauptvererber hat sich zu Lebzeiten in seinen Kindern ein Denkmal gesetzt – und dies vielen Zweiflern, Kritikern und Konkurrenten zum Trotz! Seine Söhne und Enkel GRIBALDI, MATINÉ v. Silvermoon, PAINTED BLACK v. Gribaldi zählen zu den besten Dressurpferden der Welt und sollen stellvertretend für eine unübersehbare Schar von vielseitig veranlagten und erfolgreichen Nachkommen stehen. Kostolanys Söhne Silvermoon und Gribaldi zeigen sich somit auch als die Repräsentanten der Linie, deren Perspektiven für eine weitere Verzweigung in der Zukunft am aussichtsreichsten sind. Ist es beim ersteren vor allem der renommierte CADEAU, schickt sich Gribaldis sympathischer Sohn DISTELZAR an, einen eigenständigen Zweig zu schaffen, dessen z. T. noch jugendliche Mitglieder durch häufig großes Bewegungspotential und ausgesprochen hohe Sportlichkeit ins Auge fallen.
Besonders vornehm und athletisch treten meist die Mitglieder des Bartholdy-Maizauber- Zweiges auf. HARLEM GO ist als Vererber bewegungsstarker Kinder anerkannt, BEL ESPACE GO und HUMANUS haben sich im Parcours bis Kl. S erfolgreich behauptet. Hohen Beliebtheitsgrad besitzt auch der kleine Zweig des RADOM, der durch den Elitehengst TUAREG und seine im Dressurlager renommierten Söhne KANCUN und KÖNIGSMARCK vertreten wird.
110 eingetragene Töchter hat Mahagoni geliefert, zahlreiche Spitzenstuten darunter, die zu einflussreichen und wertvollen Vererberinnen wurden. Stellvertretend soll hier Stefan Schümanns KANDIA, die Mutter der KANDELA, KARLOTTA, KAISERIN und des Grand-Prix- erfolgreichen KAISER WILHELM, herausgestellt sein. Fast 20 Sportpferde vertraten den Vater im großen Sport, klar in Front der Olympionike Peron.
Der Jüngste: Michelangelo
Das Jahr 1985 sah den betagten Pasteur xx von der züchterischen Bühne abtreten, auch sein einflussreicher und beliebter Sohn Mahagoni schied aus gesundheitlichen Gründen aus. Im Gestüt Heinen-Bönninghardt wurde im selben Jahr ein Hengstfohlen geboren, das später unter dem Namen MICHELANGELO einen zweiten Zweig der Linie seines Vaters mit Leben erfüllen sollte. Der Miami-Sohn trug vielleicht am deutlichsten von allen Pasteur-Söhnen die Attribute des Englischen Vollblutes. In seinen ersten Jahren diente er der niederländischen Sportpferdezucht; wertvolle Spuren seines Wirkens sind dort immer noch zu sichten. Seine wirkliche Karriere begann jedoch, als er den Hengstpavillon des Gestüts Webelsgrund bezog. Hier ist er nun schon längst zum Mittelpunkt des Gestüts geworden. Jahrelang führte er die Rangliste der besten „Stutenväter“ an.
Über seinen Söhnen und Enkeln schwebte ein gewisses Missgeschick: Der Reservesieger HIRTENRUF erwies sich als unfruchtbar, der überlegene Siegerhengst KENNEDY ging nach zweijährigem Zuchteinsatz ein, sein Vollbruder KENSINGTON ist ebenfalls nicht mehr am Leben, HÖLDERLIN, STEINBURG und GUY LAROCHE vertreten ihre Rasse im Ausland. So bleibt lediglich der prämierte SUMMERTIME, dem es dank guten züchterischen Zuspruchs gelingen sollte, die väterliche Linie auch in diesem Zweig zu erhalten. Sein erstklassiger Sohn SONGLINE war umjubelter Siegerhengst seines Jahrgangs und bringt über die Großmutter Schwalbenlust in wertvoller Linienzucht die Einflüsse des Enrico Caruso-Mahagoni mit.
Neun Siegerhengste der Körungen, die doppelte Anzahl von Prämienhengsten und sieben Elitehengste dokumentieren einen hohen züchterischen Wert der Hengstlinie des Pasteur xx. Mehr als 20 Mitglieder der Linie können auf S-Erfolge im Turniersport verweisen. Eine größere Zahl der Linienangehörigen zählt zur jüngeren Hengstgeneration und befindet sich somit erst am Beginn ihrer züchterischen und sportlichen Karrieren. Pasteurs Erbe ist auf breiter Ebene hinlänglich gesichert.


