Zehn Jahre hintereinander die weltweit grösste Trakehner Hengstschau auf die Beine zu stellen ist eine reife Leistung des Zuchtbezirks Westfalen.
Frühlingsluft und Sonnenschein stimmten beim diesjährigen Ausflug ins Westfälische Pferdezentrum entspannt. Mit großen Erwartungen hatte sich einmal mehr Trakehner Züchter und Freunde aus der ganzen Republik auf den Weg nach Münster gemacht. Viereinhalb Stunden mit jungen und bewährten Trakehner Vererbern wurden vom großen Finale eindruckvoll gekrönt: Im Reigen der Hengste auf S- Dressur-Niveau paradierten die Helden aus Zucht und Sport auf einer eindrucksvollen Abschiedsrunde. Nach der Euphorie der beiden vergangenen Jahre zeigte sich in diesem Jahr bei einigen Vorstellungen, wie ausschlaggebend der Beritt und das Management eines Deckhengstes sein können. Neben echten Highlights in allen Altersklassen zeigten sich einige der insgesamt mehr als 50 Hengste in der ausverkauften Halle unter Wert.
„Happy Athletes“ fürs Große Viereck? Die Grand Prix-Hengste strahlten unter ihren ständigen Reiterinnen und Reitern und präsentierten ihre Ausbildungsfortschritte in beeindruckende Vorstellungen. Besonderes Lob gab es jedoch für einen Ersatzspieler in dieser Spitzenliga: Kilian Hüttner war kurzfristig für den Chefbereiter vom Wiesenhof, Michael Oldenbourg eingesprungen, der sich am Tag zu vor von seinem Blinddarm hatte trennen müssen. Ihm gelangen mit Monteverdi TSF und Münchhausen TSF losgelassene, souveräne Vorstellungen auf höchstem Niveau.
Der solide Weg zu Klasse S ist lang und kann nicht durchgängig mit sensationellen Entwicklungssprüngen aufwarten. Dass diverse jüngere Hengste auf diesem Weg unbeirrt voranschreiten, demonstrierten sie mit altersgerechten Auftritten. Auch ihnen ist zu wünschen, dass sie sich neben dem Zuchteinsatz auch künftig auf sportlichem Parkett profilieren dürfen. Erfreuliche Bilder gab es in der Riege der „Hürdenspezialisten“, die vom frisch anerkannten Bardolino-Sohn Dramatiker angeführt wurden. Auch für die Reiter einiger Springhengste hätte das Publikum vermutlich gern Stilpreise vergeben.
Ein Gang durch die Ställe gehört für die meisten Besucher ebenso zur Hengstschau wie der Platz auf der Tribüne. Wann hat so mancher Züchter schon die Möglichkeit, den künftigen Vätern seiner Fohlen aus nächster Nähe gegenüberzustehen? Auch das ist eine Chance für die Hengsthalter, sich zu präsentieren und Sympathien zu sammeln. Das beginnt bei erstklassig herausgebrachten Hengsten in glänzendem Futter- und Pflegezustand – von Kopf bis Fuß! Und es macht schlicht einen guten Eindruck, wenn den vierbeinigen Glanzstücken auch die zweibeinigen Begleiter freundlich und ansprechbar zur Seite stehen.
Eine Überraschung mit Gänsehaut-Effekt hatte Dr. Hans-H. Becker mit seinen Westfalen zum Abschluss des viereinhalbstündigen Programms organisiert: Wohl keiner der Anwesenden blieb vom Auftritt des wunderbaren CAPRIMOND unberührt, der mit seinen 23 Jahren unter Christoph Wahler unter den Dressurvererbern der Gegenwart bezauberte. Im Pas de Deux mit seinem 17-jährigen Sohn HOHENSTEIN unter Burkhard Wahler ließ er keine Zweifel aufkommen, wer verdienter Grandseigneur des Klosterhofes ist. Mit Standing Ovations dankte das Publikum diesem Ausnahmehengst der Trakehner Zucht. IE
Spezialisten-Duo
Zwei junge Hengste bereichern den Trakehner Hengstverteilungsplan
nach der diesjährigen Februarkörung.
Der Termin erwies sich wie im Vorjahr als gute Wahl für das Publikum, denn so mancher Hengstschau-Besucher machte sich einige Stunden eher auf den Weg, um der Pflaster- und Dreiecksmusterung am Samstagmorgen beizuwohnen. Weniger zahlreich waren die Akteure der Körtage vertreten: Aus einem Lot von anfangs etwa 25 Interessenten schafften es 13 in den Katalog – Zehn von ihnen traten am Freitag vor die Körkommission.
Einen Höhepunkt verpassten die Samstags-Ausflügler: Das überragende Freispringen des Ganschower Fuchshengstes DRAMATIKER, der lässig westfälische Ständerhöhen überwand und die Riege eines erfreulich freispringenden Lots anführte. Beim Hengstmarkt 2006 war das Springtalent des Bardolino-Sohnes bereits aufgefallen, doch wurde der noch jugendliche Hengst damals vorläufig nicht gekört. Der drahtige Fuchs absolvierte im vergangenen Herbst in Schlieckau im hochkarätigen Teilnehmerfeld einen sauberen 70-Tage-Test: Gesamtindex 114,167 Platz 8/43, Dressurindex 114,12, Springindex 111,28. Am Sprung, im Freispringen wie auch bei der Sattelpräsentation punktete er in Münster durch Vermögen und Manier, gepaart mit viel Übersicht und Balance. Deutlich gereift, überzeugte der bildschöne Fuchshengst im Besitz des Gestüts Ganschow als Vierjähriger ebenso mit Sportlichkeit wie mit modernem Exterieur. Highlights am Sprung boten auch der Gast aus Polen, ASAM v.Grey AAH und der Almox Prints-Sohn FINEST PRINTS aus der Zuchtstätte Vollmers, der das Körprozedere am Samstag infektbedingt abbrechen musste.
Dressurblut pur führt SYMONT, der von Christoph Hördemann, Neuss, gezogene dunkelbraune Monteverdi-Sohn. Das Trakehner Gestüt Hämelschenburg und Henk Nijhof, NL, stellten den weit gereiften Dreijährigen aus. Und der erfüllte alle Erwartungen, die sein Pedigree mit hervorragender Vorfahrenleistung zu wecken vermochte. Der zweite gekörte Monteverdi-Sohn punktete bei jedem Auftritt: motiviertem Freispringen folgte die Dreieckspräsentation mit sicherem Antritt vom Fleck und einem energischen, taktsicheren Schritt. Lob erhielt er für seine großen Partien mit bedeutender Kruppenpartie. Talent fürs Viereck hat er nicht nur über seine Grand Prix-erfolgreichen Vater Monteverdi TSF. Seine Mutter St.Pr.St. Syvari ist eine rechte Schwester des Silvermoon mit nahem Blutanschluss aüf Mahagoni und gehörte zur rheinischen Landessiegerfamilie 1996. Großmutter St.Pr.u.E.St. Suleiken IV ist unter anderem Mutter des Prämienhengstes Schampus.
„Die tatsächliche Beteiligung von Köranwärtern ist zweifellos beim einem Termin im späteren Frühjahr größer“, resümierte Zuchtleiter Lars Gehrmann. „Doch überwiegen die Synergieeffekte einer Kompaktveranstaltung mit Hengstschau, Züchterabend und Körung. Entscheidend ist letztlich nicht die Teilnehmerzahl, sondern die Qualität.“ Dank gebührt einmal mehr den Ehrenamtlichen der Zuchtbezirke Westfalen und Rheinland, die für den reibungslosen Ablauf der beiden Körtage im Vorwege und vor Ort unermüdlich im Einsatz waren. IE
SUMMARY
Two colts were added to the list of Trakehner breeding stallions at the stallion approval in February. DRAMATIKER by Bardolino-Altan, bred and owned by Gestüt Ganschow scored with incredible free jumping. He is already licensed for Mecklenburg-Vorpommern and has now been approved for Trakehner breeding. SYMONT by Monteverdi TSF – Kostolany is of pure dressage stock. The dark bay stallion (breeder: Christoph Hördemann, Neuss) presented by Gestüt Hämelschenburg and Henk Nijhof, NL, displays powerful movements right from the start and also convinced by his dynamic and cadenced walk. His dam, St.Pr.mare Syvari, is a full sister to dressage stallion Silvermoon.


